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Management - Innovation und Strategie -  Erfolg entsteht durch Einzigartigkeit

 

 

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Unkonventionelle und verrückte Ideen bergen auch immer ein hohes Risiko. Gibt es – vor allem für kleine und finanzschwache Unternehmen – Möglichkeiten, wie man fatale Risiken im Vorfeld ausschließt?

 

AF: Sie können Risiken im Vorfeld niemals ganz ausschließen – Innovation ohne Risiko geht nicht, genauso wenig wie Sie nur ein bisschen schwanger sein können. Aber es gibt sehr wohl Möglichkeiten, die Risiken zu minimieren. Und das funktioniert, indem Sie mit schnellen Prototypen an den Markt gehen und dort Feedback einholen bevor Sie einen flächendeckenden Rollout Ihrer neuen Idee starten.

Beim Prototyping geht es darum, Chancen beim Schopf ergreifen, sich vorwärts zu bewegen, im Laufen nachzujustieren und schließlich ans Ziel zu gelangen. Nehmen Sie Jeff Bezos als Beispiel, den Gründer von Amazon.com. Er hatte im Frühjahr 1994 eine Prognose gelesen, dass das Internet jährlich um 2.300 Prozent wachsen würde. Begeistert von diesem schier unerschöpflichen Marktpotenzial stellte er eine Liste der Dinge zusammen, die er über das Internet verkaufen könnte. Seine Liste umfasste alles von der Mode bis zur Musik. Bezos entschied sich schließlich für Bücher und vergeudete keine Zeit, seinen Plan in die Tat umzusetzen. Er fasste seinen Entschluss, ohne einen detaillierten Businessplan für das neue Unternehmen geschrieben zu haben. Ihm war klar: Wenn das Internet jedes Jahr exponentiell wächst, gilt es, keinen Tag zu verlieren. Deshalb hatte bei der Gestaltung der Website die Funktion ganz klar Vorrang vor dem Stil und dem redaktionellen Inhalt. Er verzichtete auf anspruchsvolle Grafiken und Animationen. Es ging Bezos darum, es dem Besucher so leicht wie möglich zu machen, Bücher zu finden und zu kaufen. Man könnte es auch so ausdrücken: Bezos schickte schon mal einem Prototypen ins Rennen und justierte die Feinheiten im Laufen nach.

Mit anderen Worten: Bringen Sie Ihre Ideen zu Papier, testen Sie diese draußen am Markt, bei potenziellen Kunden. Warum das so wichtig ist? Ein Prototyp macht eine Idee greifbar. Und es hat noch einen enormen Vorteil: Sie können, möglichst schnell zeigen, dass Ihre außergewöhnliche Idee kein Phantasiegebilde ist. Sie können sogar potenzielle Unterstützer auf sich aufmerksam machen und damit beginnen, Ihre Idee über Abteilungs- und Hierarchiegrenzen hinweg zu verbreiten. Prototypen machen, heißt auch selber lernen, und zwar schnell und realitätsnah. Denn große Siege kommen oft in kleinen Teilen.

 

Sind gewagte Ideen von Ihnen auch schon einmal gescheitert und wenn ja, woran?

 

AF: Klar, alles andere wäre zu schön um wahr zu sein. Nehmen wir z.B. einige der Ideen, die wir in unseren Workshops gemeinsam mit Managern und Mitarbeitern entwickeln. Dort ist es schon öfters passiert, dass man in diesen Unternehmen – nachdem die gewagte Idee auf dem Tisch war – geradezu zusammengezuckt ist, da sie nach dem langläufigen Verständnis in dieser Organisation einfach zu tollkühn war. Und damit war diese Idee auch gleich wieder vom Tisch. Und das ist eine Situation, die in der Wirtschaft immer wieder anzutreffen ist. Mut und Begeisterung für gewagte Ideen sind in so manchem Unternehmen ungefähr so beliebt wie Rauchen, und die Risikobereitschaft wird jedem operativ entfernt, der ins mittlere Management aufsteigt – immerhin auf Kosten des Unternehmens.

 

Ihre Definition einer lausigen Idee ist: „Sie hat keine Feinde in der Firma!“ Wie überzeugt man als Querdenker seine Feinde bzw. Kritiker?

 

PK: Sie brauchen Verbündete im eigenen Unternehmen. Einzelne Querdenker, die den Status Quo in Frage stellen und mit kühnen neuen Ideen aufwarten, kann man als Individuen einfach übersehen oder zur Seite drängen. Wenn es aber mehrere sind, dann ist es sehr viel schwieriger, sie auszubooten. Es ist auch für das eigene seelische Gleichgewicht gut zu wissen, dass man Verbündete hat und nicht alleine kämpfen muss. Denn Rückschläge sind unvermeidlich. Sie werden sicherlich einige Scharmützel verlieren, bevor Sie den Sieg für Ihre Ideen davontragen. Und noch etwas: Vielleicht müssen Ihre Verbündeten nicht mal Kollegen sein. Wie wäre es damit, eine kluge neue Idee mit einem Kunden oder Zulieferer auf die Beine zu stellen?

 

Sie beschreiben, dass Querdenken eine Lebensphilosophie ist, wie äußert sich diese Einstellung in Ihrem privaten und alltäglichen Leben?

 

PK: Eine der wichtigsten, wenn nicht sogar die allerwichtigste Einstellung ist die, dass man sich selbst immer wieder selbst in Frage stellt. Um das am eigenen Beispiel zu verdeutlichen: Mein Doktorvater gab mir einmal den folgenden gut gemeinten Ratschlag: „Wenn du in der akademischen Welt etwas erreichen willst, dann sei vorsichtig, denn der Neid ist groß. Am Beginn deiner Laufbahn darfst du niemals in neue Gefilde aufbrechen! Dieses Recht musst du dir erst über die Jahre hinweg erarbeiten. Solange du noch keine grauen Schläfen hast, darfst du ausschließlich etablierte Theorien deiner Kollegen weiterentwickeln und musst versuchen, darüber so viele Artikel wie möglich in renommierten Zeitschriften unterzubringen.“

„Undank ist der Welt Lohn“ – ich schlug diesen weisen Rat in den Wind. Ich wollte mehr von meinem Leben, als mich über Jahre unterzuordnen, ein paar Artikel in obskuren wissenschaftlichen Zeitschriften zu veröffentlichen und auf den gedanklichen Pfaden anderer Leute zu wandeln. Ich wollte Unternehmen dabei helfen, gewohnte Denkbahnen zu verlassen. Ihnen zeigen, wie sie die Märkte von morgen erobern und ihre Konjunktur schaffen. Damit war natürlich meine akademische Karriere beendet, bevor sie richtig begonnen hatte. Und nicht nur meine Mutter hielt die Entscheidung für vollkommen verrückt. Aber eines stand fest: Die Universität war ohne mich besser dran – und ich ohne sie. Hätte ich mir nicht die grundsätzliche Frage gestellt, ob die akademische Welt ohne mich besser dran wäre, dann würde ich, statt dieses Interview zu geben, jetzt irgendein todlangweiliges akademisches Traktat für einen Kongress texten, auf dem Herren mit grauen Schläfen und

in grauen Anzügen sich gegenseitig vorlesen, was sie längst wissen. Meine Entscheidung habe ich bis heute nicht bereut. Ich bin davon überzeugt, dass mein Erfolg als Autor und Managementberater ausschließlich darauf beruht, dass ich alle gut gemeinten Karrieretipps meines Doktorvaters in den Wind geschlagen habe und meinen eigenen Überzeugungen gefolgt bin. Ich habe die Frage, ob mein Arbeitgeber ohne mich besser dran wäre, für mich sehr ehrlich beantwortet und daraus die Konsequenzen gezogen.

 

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Stand: 13. Dezember 2014