| | Gedanken zum Lebenszyklus von Unternehmen von Dagmar Recklies Die Erfahrung zeigt, dass die Zeitspanne der erfolgreichen Tätigkeit von Unternehmen oft endlich ist. Zwar gibt es sehr viele Unternehmen die auf 50 und mehr Jahre Geschäftstätigkeit zurückblicken. Doch die Anzahl an Unternehmen – gleich welcher Größe – die bereits seit 100 Jahren oder länger bestehen ist bereits deutlich geringer. Vermutlich wird eine Darstellung der Unternehmen nach Alter eine ähnliche Struktur aufweisen wie eine typische Bevölkerungspyramide (ohne die aktuellen Überalterungserscheinungen in vielen Ländern). Zur Erklärung dieses Phänomens mag man argumentieren, dass die Bevölkerungszahlen in den meisten entwickelten Ländern vor 100 Jahren niedriger waren und dass demzufolge vermutlich damals weniger Unternehmen gegründet wurden als in jüngerer Zeit. Vielleicht hat auch eine Rolle gespielt, dass Managementmethoden und –ausbildung seinerzeit nicht so entwickelt waren wie heute. Dies hat allerdings alle Unternehmen in gleichem Maße betroffen, so dass damals wie heute in Bezug auf den Einfluss guten oder schlechten Managements so etwas wie Chancengleichheit bestanden haben dürfte. Die folgenden Ausführungen über die spezifischen Probleme alternder Unternehmen sind als grundsätzliche Beobachtungen im Sinne einer Trendaussage zu verstehen. Sie schließen keinesfalls aus, dass sich Unternehmen auch völlig abweichend entwickeln. Nach Einschätzung der Autorin liegt ein wesentlicher Grund, warum es relativ wenig sehr alte Unternehmen gibt darin, dass auch Unternehmen einen Lebenszyklus und somit eine begrenzte zeitliche Existenz haben. Geht man davon aus, dass die Mehrzahl der Unternehmen einen endlichen Lebenszyklus hat, sind zunächst die Ausprägungen für das Ende von Unternehmensexistenzen zu betrachten: - Der klassische Fall des unfreiwilligen Ausscheidens aus dem Markt sind wirtschaftliche Probleme, die letztlich bei Zahlungsunfähigkeit und / oder Überschuldung eine Fortsetzung der Geschäftstätigkeit unmöglich machen.
- Seltener werden Unternehmen von den Eigentümern ohne wirtschaftlichen Zwang aufgelöst und liquidiert. Dies ist häufig bei Zweckgesellschaften der Fall, welche von Beginn an nur für ein konkretes endliches Vorhaben gegründet wurden, z.B. Immobilienentwicklungsprojekte.
- Häufig gehen Unternehmen in anderen Unternehmen auf und bestehen daher in ihrer bisherigen Form nicht weiter. Typische Formen sind:
- Aufspaltung in mehrere rechtlich und wirtschaftlich selbständige Einheiten die unabhängig voneinander weiter entwickelt werden. Dies ist häufig bei regional oder nach Produkten stark diversifizierten Unternehmen der Fall, wenn die einzelnen Geschäftsfelder wenig Synergien aufweisen.
- Verschmelzung mit anderen Unternehmen. Dadurch entsteht eine neue Einheit, die allerdings auf ältere Wurzeln aufbaut. Ein bekanntes Beispiel hierfür ist der Zusammenschluss von Rhone-Poulenc S.A. und Hoechst AG zur Aventis S.A.[i] · Übernahme durch ein anderes Unternehmen mit anschließender Integration: Sofern sämtliche Funktionen und Systeme des Unternehmens unauflösbar in die übernehmende Einheit integriert werden, geht das übernommene Unternehmen faktisch selbst dann unter, wenn die rechtliche Hülle und / oder die Marke aus bestimmten Gründen noch weiter bestehen. Alle drei Formen des Aufgehens eines Unternehmens in einer anderen Einheit haben ihre Ursache letztlich in der einen oder anderen Form darin, dass Eigentümer oder Markt einen Mehrwert in der Neuordnung der bestehenden Organisation sehen. Das Ganze ist in diesen Fällen weniger wert als die Summe seiner Teile.
Es erscheint also nicht einfach, ein Unternehmen über lange Zeiträume hin so zu betreiben, dass seine Fortführung für alle Beteiligten die bevorzugte Strategie ist. Es ist viel darüber geschrieben und geforscht worden, was Unternehmen vom Erfolgskurs abbringt. Im Allgemeinen lässt sich das Scheitern von Unternehmen auf folgende Ursachen zurückführen: Ein häufiger Auslöser sind Managementfehler. Durch Fehlentscheidungen bei der Führung und Steuerung kann zweifelsohne jedes – auch junge - Unternehmen zum scheitern gebracht werden. Ach wenn es im Sektor der Großunternehmen zahlreiche medienwirksame und ausführlich diskutierte Beispiele für Managementfehler gibt, dürften diese noch häufiger in kleinen und mittleren Unternehmen anzutreffen sein. Dies beginnt z.B. mit krassen Fehleinschätzungen zu Marktpotenzialen, Standortattraktivität usw. im Fall von Neugründungen und setzt sich in kaufmännischen Schwächen fort. Führt man sich die aktuellen Beispiele für unzureichende Unternehmensführung vor Augen, widerlegt sich auch die eingangs aufgestellte Hypothese, dass früher mehr Unternehmen durch mangelnde Managementfähigkeiten gescheitert sind. [i] Der Untergang der alten Höchst AG ist ein gutes Beispiel für die im Folgenden in diesem Artikel untersuchten Zusammenhänge. In der Oktoberausgabe des Magazins band eins erschien eine sehr gute Beschreibung der Entwicklungen, die zum Ende von Höchst führten: http://www.brandeins.de/home/inhalt_detail.asp?id=576&MenuID=130&MagID=20&sid=su66249651125578797 Weiter zu Seite 2 Nach oben |