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Verhaltener Besucherandrang auf der Expo oder Was haben Expo und Euro-Disney gemeinsam?

Von Oliver Recklies


Die gegenwärtigen Besucherzahlen der Expo in Hannover liegen deutlich unter den Erwartungen. Auch zu Pfingsten konnten trotz bestem Ausflugswetter und zahlreichen Sonderaktionen nicht die angestrebte Zahl von 261.000 Besuchern pro Tag (die notwendig wären, um nach 153 Expo-Tagen die 40 Millionen zu erreichen) erzielt werden. Um eine Trendwende einzuleiten, plant die Expo-Gesellschaft für einen begrenzten Zeitraum ab dieser Woche, Sonderangebote einzuführen und damit die Nachfrage nach Tickets zu erhöhen.

Was ist los mit der Expo? Ist sie uns (potenziellen Besuchern) zu teuer, ist die Werbung nicht angekommen oder haben wir einfach kein Verständnis für dieses einmalige Ereignis in Deutschland 2000?

Die Ursachen für das bisherige schlechte Abschneiden der Expo sind die Folgen eines völlig falschen Selbstverständnisses der Expo und der daraus resultierenden Fehlentscheidungen im Management. Die Expo begeht dabei, so seltsam der Vergleich auf den ersten Blick anmutet, exakt die gleichen Fehler wie die Walt Disney Company bei der Eröffnung des Euro Disneylands Paris 1992.

Die Ziele von Disneyland Paris für das erste Jahr des Bestehens waren 11 Millionen Besucher und ein Gewinn nach Steuern von 204 Millionen FFR. Die Resultate nach einem Jahr hatten eine ganz andere Dimension, der Verlust lag bei 1,1 Milliarden FFR. Ursache für diesen riesigen Verlust waren zu geringe Besucherzahlen und die deutlich unter den Planungen liegenden Umsätze der Besucher für Essen, Trinken sowie Souvenirs. Erst nach einer massiven Veränderung der Preisgestaltung in allen Bereichen des Parkkonzeptes (Hotels, Ticketangebote, Verpflegung) konnten die angestrebten Besucherzahlen erreicht werden.

Wo liegen die Parallelen? Disneyland und Expo hielten bzw. halten sich für etwas einmaliges, das mit nichts anderem verglichen werden kann bzw. konnte. Das ist prinzipiell richtig, da es weltweit nur eine Walt Disney Company, eine Micky Maus und nur einen Donald Duck gibt. Ebenso gibt es nur eine einzige Expo-Ausstellung. Die nächstliegende Schlussfolgerung ist nun, und dieser folg(t)en beide Unternehmungen, dass die Betreibergesellschaften eine Monopolstellung innehaben, die es ihnen erlauben würde, außergewöhnliche Preise zu erzielen. Getreu dem Motto: Wo ein Monopol ist, gibt es keinen Wettbewerb und die Preise können nach Belieben festgelegt werden. Der Volkswirt würde es so umschreiben: Der Monopolist beabsichtigt, außergewöhnliche Profite zu erzielen. Dies denken alle Beteiligten (ohne allerdings den Begriff des Monopols zu verwenden), von der Expo-Betreibergesellschaft über die Bahn bis hin zum letzten Imbiss auf dem Expo-Gelände. Das Ergebnis ist, dass die Summe der Ausgaben für einen Tagesausflug zur Expo nach oben schnellt.

Der Haken liegt nun darin, dass die Produkte (Expo, Disney) zwar einmalig sind, aber dennoch eine Monopolstellung für sie nicht besteht. Ursache dafür ist, dass die beiden Parks eigentlich nur Freizeit-Reiseziele sind und natürlich , je nach geplanter Aufenthaltsdauer, mit anderen Reisezielen (z.B. Tagesausflug zum Musical, ILA Berlin) konkurrieren und vom potenziellen Besucher – bewusst oder unbewusst- auch so verglichen werden. Aufgrund ihrer überzogenen Preisgestaltung schneidet die Expo aber schlechter ab, so dass die geplanten Besucherzahlen bei weitem nicht erreicht werden können.

Hinzu kommen noch einige Schönheitsfehler. Obwohl der angestrebte Besucherstrom nicht erreicht wird, gibt es an einigen Pavillons lange Wartezeiten. Die gab es 1992 und 1993 übrigens auch bei Euro Disneyland Paris. In der ersten Woche fiel das Ticketsystem aus, „wegen Überlastung“. Wie würde sich wohl die Situation darstellen, wenn tatsächlich 261.000 Menschen an einem Tag die Expo besuchen wollten?

Die bisherigen Marketingmaßnahmen sind auch weit vom Optimum entfernt. Zwar wurde für die Expo Imagewerbung betrieben, aber dennoch blieben und bleiben Interessenten im Unklaren, was sie auf der Expo denn nun konkret erwarten können bzw. besuchen sollen. Dies war übrigens der gleiche Fehler im Marketingkonzept von Disney.  

Was bleibt nun zu tun? Die Preisdiskussion ist angestoßen und auch nicht mehr rückgängig zu machen. Ein Hoffen auf noch ansteigende Besucherzahlen seitens der Expo ist ein trügerischer Ausweg. Die Preisgestaltung ist dabei aber eigentlich mehr Symptom denn wirkliche Ursache. Daher muss sich das Selbstverständnis der Expo ändern – sie muss sich bewusst werden, dass sie mit anderen Ausflugszielen konkurriert und insgesamt marktfähige Preise anzubieten hat.

 

Für weitere Info siehe auch:

http://www.themanagement.de/ME/MEcases.htm

Literatur wg. Euro Disneyland Paris

Euro Disneyland S.C.A:            International Offer of Shares

                                                Annual report 1992

                                                Annual report 1993

Jensen, J.: Movies star in connection with major theme parks, in: Advertising Age, Sept 27, 1995

Playing Disney in the Parisian Fields, New York Times February 17, 1991

Slack: Operations Management, London,1998

S.G. Wartburg Securites, Euro Disneyland: Offer for sale“ (October 5, 1989)

Waiting for Dumbo: Euro Disney, The Economist, May 1, 1993

Reekie, W.D. (1991), The economics of modern business, Blackwell, Oxford

 

 

 

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