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1.1 Grundlagen für eine nachhaltige E-Business – Customer Relationship Management Strategie
Die
elektronische Kundenbeziehung
Die
Integration von E-Business und CRM Kein Unternehmen kann es sich heute leisten, das explosive
Wachstum des E-Business zu ignorieren. Durch die zunehmenden Nutzungsraten des
Internet hat E-Business heute bereits eine weitreichende Akzeptanz sowohl unter
privaten Endkunden (B2C) als auch unter Firmenkunden (B2B) erreicht. Das
besondere daran ist, dass dies in einem wesentlich kürzeren Zeitrahmen geschah,
als bei allen anderen Technologien von ähnlich weitreichender Bedeutung (z.B.
Faxgeräte, Kabelfernsehen oder Computer selbst[1][1]). E-Business eröffnet den Unternehmen nie dagewesene
Möglichkeiten, durch größere geographische Reichweiten, Kostensenkungen,
verbesserte Beschaffung und Supply-Chain Effektivität, Umsätze und Erlöse zu
steigern. Allerdings müssen auch viele Unternehmen die Erfahrung machen, dass
trotz der professionell gestalteten Web-Präsenz weder Umsatzerhöhungen noch
Kostensenkungen nachweisbar sind. Dies ist nicht erstaunlich. E-Business
umfasst mehr, als eine Website zu unterhalten. 1.1.1 Veränderte GeschäftsmodelleUm im E-Business und im Customer Relationship Management
(CRM) Erfolge zu verbuchen, müssen die Unternehmen weiter gehen. Sie müssen
völlig neu überdenken, wie sie ihre Geschäfte abwickeln, wie sie ihre Produkte
an den Markt bringen und Leistungen für ihre Kunden erbringen. Das bedeutet,
dass sich die Unternehmen von den traditionellen produktbezogenen Denkmodellen
trennen müssen. Stattdessen müssen sie ihren gesamten Betrieb als kundenbezogen
verstehen. Die Frage ist nicht mehr, welche Produkte man am besten und am
effektivsten anbieten kann, sondern auf welche Weise man am besten und
umfassendsten die Bedürfnisse seiner Kunden befriedigen kann. Die Ursache für
diese grundlegende Veränderung besteht darin, dass sich viele Produkte und
Leistungen in der Vergangenheit immer stärker angeglichen haben. Innerhalb
einzelner Marktsegmente bestehen oft nur noch geringe Unterschiede in Preis und
Eigenschaften der Erzeugnisse verschiedener Anbieter. Daher erfolgt die
Differenzierung heute über den Wert, den der Kunde aus dem Geschäft schöpfen
kann. In diesen vom Kunden wahrgenommenen Wert gehen neben Preis und
Produkteigenschaften eine Vielzahl von Faktoren wie Liefertreue,
Problemslösungen, Individualisierung, After-Sales-Service etc. ein. Diese
Gesamterfahrung ist es, die zu Kundenloyalität und steigenden Umsätzen führt. Es ist bereits seit Jahren eine allgemein verbreitete
Erkenntnis, dass es wesentlich teurer ist, einen neuen Kunden zu gewinnen, als
einen bestehenden Kunden zu halten. Die Frage dabei ist nur, wie man die Kunden
dazu bringt, stets zurückzukehren. Die Antwort klingt einfach, ist es aber oft
nicht: Man gibt ihnen genau das, was sie wollen. Genau darin liegt jedoch für
viele Unternehmen das Problem. Um herauszufinden, was ihre Kunden wirklich
wollen, müssen sie den Kontakt wesentlich intensivieren. Gelegentliche Kundenbefragungen
reichen hier kaum aus. Ebenso ist es keine Lösung, einfach nur eine Website
aufzubauen. Viele Unternehmen machen den Fehler, übereilt eine statische, kaum
funktionelle oder interaktive Seite zu gestalten. Solche Seiten geben dem
Erstbesucher nur wenig Anreiz, später wiederzukehren. Wirklich kundenorientierte Unternehmen benötigen eine gut
geplante und integrierte E-Business Strategie, die sowohl Kundenwünsche als
auch Unternehmensziele berücksichtigt. Nur dann können die Unternehmen durch
zufriedene Kunden höhere Umsätze und Erträge erzielen. 1.1.2 Die elektronische KundenbeziehungCRM ist kein neues Konzept. Neu ist heute jedoch die Nutzung
von Technologien, die Informationsvolumen und Informationsgeschwindigkeit
erheblich erhöhen. Doch auch in der e-Welt gilt: Kunden sind immer noch Kunden
und das Schlüsselwort im Begriff CRM ist Relationship – Beziehung. Diese
Kerngedanken behalten ihre Gültigkeit, egal ob die Kundenbeziehung auf
traditionellem Wege oder über Internettechnologien wie E-Mail, Online-Hilfen
auf der Unternehmenswebsite oder Call Center gehalten wird. Diese Auswahl, die
sich noch erweitern lässt, ist heute jedoch ein wesentliches Element. Sie
ermöglicht dem Kunden mehr Kontrolle über die Beziehung, um diese wirklich
seinen Bedürfnissen entsprechend zu gestalten. Ermutigt durch die breite Aufmerksamkeit, die das Thema
E-Business in allen Medien erfährt, stellen die Kunden heute auch höhere
Anforderungen and den Service. Sie erwarten uneingeschränkte Erreichbarkeit und
schnelle, pünktliche Lieferung. Dennoch gibt es noch heute eine Vielzahl von
Unternehmen – auch renommierte Häuser – die eine E-Mail Anfrage erst nach
Tagen, nach Mahnungen oder gar nicht beantworten. Auf diesem Gebiet haben gerade die Pioniere des E-Business
Maßstäbe gesetzt. Dell ist es gelungen, einen großen Teil seines Pre- und
After-Sales Service auf das Internet zu verlagern. Die Kunden haben
beispielsweise Zugriff auf die Online-Datenbanken, die auch den
Dell-Service-Technikern zur Verfügung stehen. Firmenkunden können die gesamte
Verwaltung ihrer IT-Ausstattung auf den Dell-Server auslagern. Amazon, das wohl
am meisten zitierte Beispiel für erfolgreiches E-Business, gründet seinen
Erfolg wesentlich auf seinen stark individualisierten Kundenservice. Wann hat
Ihnen Ihr lokaler Buchhändler das letzte Mal eine Neuerscheinung empfohlen, die
genau zu Ihren Interessen und bisherigen Käufen passt? Beide Firmen verfolgen von Beginn ihrer Internet-Aktivitäten
an einen umfassenden Plan, der die Marketingstrategien und Unternehmensziele
des Gesamtunternehmens eng verknüpft. 1.1.3 Die Integration von E-Business und CRMEs ist nachgewiesen, dass der Erfolg von E-Business Aktivitäten
von der Funktionalität der Websites ebenso abhängt wie von ihrer Einbindung in
alle übrigen Unternehmensfunktionen. Wie bereits dargestellt, ermöglichen
statische Websites, die im Extremfall nicht über die online-Abbildung der
Firmenbroschüre hinausgehen, keine enge Kundenbindung. Um die Kundenbindung zu
verbessern, muss die Website eines Unternehmens einerseits dem Kunden mehr
Informationen und Service bieten als der gedruckte Katalog das kann. Warum
sonst sollte der Kunde die Website bevorzugen? Sie muss aber auch – den
jeweiligen Gegebenheiten entsprechend - so eng wie möglich mit der ERP
(Enterprise Resource Planning) Software, der gesamten Wertekette einschließlich
Zulieferern, den Marketing- und Verkaufsabteilungen, der Logistik und anderen
Unternehmenssystemen verzahnt werden. Unternehmen, die ihre E-Business Lösungen nicht in die
übrigen Systeme integrieren, riskieren einen so genannten Silo Effekt. Als Silo
bezeichnet man eine unabhängige Anwendung, die keine Beziehungen zum
Unternehmen als Ganzes hat. Der Schwerpunkt solcher Silo-Anwendungen liegt
notwendig darauf, eine einzelne Funktion zu ermöglichen, z.B.
Katalogdarstellung, Bestellungseingabe o.ä. Silo-Lösungen bieten jedoch keinen
Ansatz, Unternehmensprozesse in ihrer Gesamtheit (z.B. Auftragsabwicklung) zu
verbessern. Da die in solchen Silos generierten Kundendaten
(Website-Statistiken, Feedback etc.) nicht selbstverständlich zu den
betreffenden Unternehmensfunktionen weitergeleitet werden, gehen i.d.R. auch
wertvolle Informationen verloren. Die Integration der E-Business Lösungen in alle
Unternehmenssysteme erfordert bereits im Vorfeld sorgfältige Planungen. Es ist
notwendig, die zur Unterstützung des E-CRM notwendige Infrastruktur
festzulegen. An dieser Stelle sind u.a. folgende Fragen zu klären:
Für alle diese Fragen müssen funktionsfähige Lösungen
gefunden werden, bevor die E-Business Aktivitäten gestartet werden. Kein
Unternehmen kann es sich heute leisten, sich durch „learning by doing“ auf
Kosten der Kundenzufriedenheit durch längere Erfahrungskurveneffekte zu
arbeiten. Der Kunde erwartet von Beginn an eine reibungslos funktionierende
Zusammenarbeit. Ist diese nicht gewährleistet, wird es sie bei einem anderen Anbieter
suchen und finden. Gut geplante und gut umgesetzte E-CRM Lösungen können einen
wesentlichen langfristigen Effekt haben: Neben den beschriebenen Effektivitätseffekten ist jedoch
einer der größten Vorteile von integrierten E-CRM Lösungen, dass sie wesentlich
bessere Informationen über die Kunden vermitteln. Es können an jeder Stelle
zwischen Kundenkontakt, Bestellung und Lieferung Daten gewonnen werden,
unabhängig davon ob der Kontakt über Telefon, Fax, E-Mail, Call Center oder die
Website stattgefunden hat. In einer integrierten Lösung werden Daten aus diesen
verschiedenen Quellen einheitlich erhoben und gesammelt. Durch Datawarehousing
Anwendungen können die Unternehmen diese Rohdaten analysieren und daraus
wertvolle Informationen gewinnen, deren Nutzung wiederum ihre Wettbewerbsfähigkeit
verbessert. Um größtmögliche Erfolge zu erzielen, sollten alle
E-Business Strategien langfristig angelegt sein. Nachdem die Strategie
formuliert wurde, kann sie schrittweise umgesetzt werden. Dabei ist es wichtig, die Unternehmensziele, die Ziele
für den Kundenservice (bzw. die Kundenerwartungen) und die Möglichkeiten des
technisch Machbaren in Einklang zu bringen. Durch die enge Integration von
E-CRM Anwendungen in alle Unternehmensprozesse kann der Wert solcher Lösungen
erheblich gesteigert und erst ausgeschöpft werden. Dabei ist es wichtig, nicht
nur schnelle Erfolge durch neue – und vermutliche einmalige – Kunden
anzustreben, sondern sich auf die Bedürfnisse der vorhandenen Kundenbasis zu
konzentrieren. © Dagmar Recklies, 2000
[1][1] Siehe dazu „Tracking electronic
commerce: Signals of change“, Peter Shapiro und Arno Hesse, Prism, 1. Quartal
1999, S. 29-39.
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