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Die Strategy-Clock
Strategien auf der Basis von Preis und Nutzwert
Michael Porter hat mit seinem Modell der generischen Strategien (Kostenführerschaft,
Qualitätsführerschaft bzw. Differenzierung oder Focus) die
Bedeutung einer klaren Wettbewerbsstrategie hervorgehoben. Porter argumentiert,
dass Unternehmen Wettbewerbsvorteile nur dann erringen können, wenn sie in der
Lage sind, die Kundenbedürfnisse entweder besser (Qualitätsführerschaft) oder
effizienter (Kostenführerschaft) als die Wettbewerber zu bedienen.
Ein Kritikpunkt an diesem Modell ist, dass es eine undifferenzierte
Entweder-Oder-Entscheidung verlangt und alle Strategien, die zwischen diesen
beiden Extremen liegen, als „stuck in the middle“ verwirft. Tatsächlich lässt
sich z.B. das erfolgreiche Geschäftsmodell von IKEA, das günstige Preise mit
einer starken Differenzierung verbindet, nicht in Porters generische Strategien
einordnen.
Auf Grundlage dieser Kritik entwickelten Bowman und Faulkner einen
weitergehenden Ansatz, der Abstufungen und Kombinationen der Preis- und
Qualitätsführerschaft berücksichtigt. Obwohl das Modell zur Bestimmung der
strategischen Ausrichtung einzelner Geschäftseinheiten eines Gesamtunternehmens
entwickelt wurde, ist es insgesamt für die Strategieentwicklung anwendbar.

Eine No Frills (Keine Extras) Strategie verbindet bei einer
Konzentration auf preissensitive Marktsegmente einen niedrigen Preis mit einem
niedrigen Zusatznutzen. Anbieter mit dieser Strategie offerieren dem Kunden ein
Basisprodukt, das das grundlegende Bedürfnis (Essen, Transport etc.) erfüllt,
mehr jedoch nicht. Durch den Verzicht auf zusätzliche wertsteigernde Elemente
wie Marken, Einkaufserlebnis, ergänzende Serviceleistungen und ähnliches kann
ein sehr günstiger Preis angeboten werden. Solche Strategien verfolgen
beispielsweise der Discounter Aldi (keine aufwendigen Regale und
Ladenausstattungen, kaum Markenprodukte), der Fahrzeughersteller Lada (kein
Markenimage) oder die sogenannten No-Frills Airlines wie Ryanair, Go oder
Easyjet (kein warmes Essen an Bord, nur Nebenflughäfen). Sie alle bieten dem
Kunden die Möglichkeit, sein Grundbedürfnis zu befriedigen. Durch ihren
Verzicht auf kostentreibende Extras, über die sich andere Anbieter zu
differenzieren suchen, sprechen sie gezielt preissensible Kundengruppen an und
können sich damit in dieser Marktnische erfolgreich etablieren.
Bei einer Niedrigpreisstrategie wird versucht, bei etwa vergleichbarem
Kundennutzen niedrigere Preise als die Wettbewerber anzubieten. Ein solches
Vorgehen wird jedoch oft von Wettbewerbern kopiert und birgt so die Gefahr,
branchenweite Preiskämpfe zu initiieren, die erheblich die Gewinnmargen
reduzieren können. Ein Beispiel dafür sind die seit Jahren immer wieder
aufflammenden Preisrunden der Einzelhandelsketten in Deutschland, die in
jüngster Zeit durch die neu in den Markt drängende Kette Wal-Mart noch
angeheizt wurden.
Eine wesentliche Voraussetzung für den langfristigen Erfolg einer Niedrigpreisstrategie
besteht in der Kostenführerschaft. Das bedeutet, dass die Unternehmen ihre
Produkte und Leistungen nicht nur zu niedrigeren Preisen als der Wettbewerb
anbieten, sondern auch zu niedrigeren Kosten erzeugen bzw. einkaufen können.
Kostenführerschaft kann üblicherweise durch besonders effiziente und nicht
kopierbare Fertigungsverfahren, Scaleneffekte (Massenproduktion) oder
Verhandlungsmacht über Zulieferer erreicht werden. Weiterhin können Anbieter
auch durch Spezialisierung auf ganz bestimmte Marktsegmente in nur diesen
Segmenten der günstigste Anbieter sein.
Bei einer Hybridstrategie nutzen die Unternehmen die aus ihre niedrigen
Herstellungskosten resultierenden Gewinne, um einen relativ günstigen Preis in
Verbindung mit einem gewissen Grad an Differenzierung vom Wettbewerb zu
erreichen. Beispielsweise verfolgten die Japanischen Autohersteller Ende der
80er Jahre, nachdem sie sich durch günstige Preise auf dem Europäischen Markt
etabliert hatten, eine Hybridstrategie. Durch ihre optimierten
Fertigungsmethoden konnten sie weiterhin im Vergleich zu europäischen
Produzenten günstige Preise anbieten, erhöhten aber gleichzeitig die Qualität
und Zuverlässigkeit ihrer Fahrzeuge, um auch anspruchsvollere Kundengruppen zu
erreichen.
Auch das Möbelhaus IKEA wird oft als Beispiel dafür zitiert, dass im
Gegensatz zu Porters Generischen Strategien auch gleichzeitig und mit Erfolg
eine Strategie der Differenzierung und Preisführerschaft verfolgt werden kann.
Mit einer Differenzierungsstrategie werden Produkte bzw. Leistungen
angeboten, die sich von denen des Wettbewerbes in solchen Kriterien
unterscheiden, die von den Kunden besonders geschätzt werden. In der
Wahrnehmung der Kunden wird ein zusätzlicher Nutzwert angeboten, der das
Produkt bei etwa gleichem Preisniveau von ähnlichen Angeboten abhebt.
Differenzierungen können nicht nur durch konkrete Produkteigenschaften (Design,
Funktionalität, Innovation etc.) begründet werden, sondern auch durch Marketing
(Markenidentität, Schaffung eines „Hype“) oder durch zusätzliche Kompetenzen
(besondere Serviceorientierung, besonders schnelle Leistungserbringung, hohe
Auswahl).
Um eine solche Strategie erfolgreich zu verfolgen, müssen die
Unternehmen genau bestimmen, wer ihre Kunden sind und was genau diese
Kundengruppe besonders schätzt. Darauf muss die eigene Position im Vergleich
zum Wettbewerb analysiert werden, um eine wirklich nachhaltige – nicht leicht
imitierbare – Differenzierungsbasis auszuwählen.
Bei einer fokussierten Differenzierung wird der vom Kunden
wahrgenommene deutlich herausragende Nutzwert dazu benutzt, ein über dem
Wettbewerb liegendes Preisniveau zu rechtfertigen. Fokussierte Differenzierung
finden meist in ganz konkreten abgegrenzten Marktsegmenten statt. Ein
klassisches Beispiel sind Luxusgüter. Ein Ferrari ebenso wie ein Gucci-Schuh
werden eben nicht nur gekauft, weil man sich damit fortbewegen oder seinen Fuß
schützen kann. Diese Produkte zeichnen sich gegenüber der „Durchschnittsware“
durch besonders hochwertige Materialien, sorgfältige Verarbeitung,
außergewöhnliches Design und andere Eigenschaften aus. Ein wichtiger Aspekt ist
dabei häufig die Marke, die dem Besitzer gerade im Luxussegment als Statussymbol
dienen kann. Für solche Produkteigenschaften werden dann auch Preise
akzeptiert, die zum Teil erheblich über dem normalen Preisniveau für ein
Produkt dieser Kategorie liegen.
Der Unterschied zur einfachen Differenzierungsstrategie besteht hier in
der Fokussierung auf ganz bestimmte Marktsegmente, die bereit sind, ein
Preispremium für besondere Produkteigenschaften zu akzeptieren.
Zu beachten ist hier ferner, dass auch in den gewählten Marktsegmenten
noch Wettbewerb durch Anbieter mit ähnlichen Strategien herrscht. Der
Gucci-Schuh ist zwar von einem ähnlichen Modell aus dem Haus Salamander
deutlich abgesetzt, agiert aber immer noch mit den Schuhkollektionen
zahlreicher anderer Luxuslabels im gleichen Marktsegment.
Allen Risikostrategien ist gemeinsam, dass aus Kundensicht und in
Relation zum Wettbewerb der wahrgenommene Nutzen nicht den wahrgenommenen
relativ hohen Preis rechtfertigt.
Die Strategie 6, hoher Preis bei Standard-Nutzwert, ist häufig in
Monopolsituationen anzutreffen. Sie kann nur so lange erfolgreich sein, wie das
Monopol durch Gesetzgebung, hohe Eintrittsbarrieren oder ähnliches geschützt
wird.
Die Entwicklung am deutschen Telefonmarkt zeigt deutlich, dass Kunden
bei wahrgenommenen gleichen Produkteigenschaften keine überhöhten Preise
tolerieren und zu dem Anbieter mit dem günstigeren Preis wechseln.
© Dagmar Recklies, April 2001
Literatur:
David Faulkner & Cliff
Bowman. The Essence of Competitive Strategy.