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Stakeholder-Management
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Wer soll die Kontrolle über das Unternehmen haben? Wie? Und um welche
Ziele zu erreichen? Ursprünglich hatten die Eigentümer die Kontrolle über das Unternehmen
– entweder durch Kontrolle des Management oder durch direkte Ausübung des
Managements – und verfolgten wirtschaftliche Ziele. Als die Aktienkultur
aufkam, wurde die Rolle des einzelnen Eigentümers geschwächt. Als dann die
Unternehmen zu immer größeren Organisationen wuchsen, bekamen ihre
wirtschaftlichen Aktivitäten zunehmend soziale Konsequenzen. Die riesige, in
breit gestreutem Eigentum befindliche Unternehmung kam zunehmend unter die
Kontrolle des Managements. Gleichzeitig entstand das Konzept der sozialen
Verantwortung – der freiwilligen Beachtung öffentlicher sozialer Ziele neben
den eigentlichen wirtschaftlichen Zielen – als Legitimationsbasis für das
Handeln des Managements Henry Mintzberg |
Bedeutung und
Begriffsbestimmung
Die Teilnehmer am
Wirtschaftsleben stehen heute im Interesse und unter dem Einfluss verschiedener
Personen und Gruppierungen. Insbesondere größere Unternehmen müssen zunehmend
nicht nur die Bedürfnisse der direkten Eigentümer berücksichtigen, sondern u.U.
auch der Arbeitnehmervertreter, öffentlicher Interessengruppen, strategischer
Partner, Kontrollgremien (z.B. Kartellamt) oder Journalisten. Die Aufzählung
ließe sich je nach Einzelfall noch erweitern. Damit agieren die Unternehmen in
einem komplexen System von Interessen und Einflussmöglichkeiten, die in ihrer
Bedeutung und möglichen Wirkung abgewogen und mit den Unternehmenszielen in
Einklang gebracht werden müssen.
Solche Personen oder Gruppen,
von denen die Unternehmung in ihrer Entwicklung abhängt, und die bei der
Erreichung ihrer Ziel ihrerseits in unterschiedlichem Umfang von der
Unternehmung abhängen, werden als Stakeholder bezeichnet.
Bei weitreichenden
unternehmerischen Entscheidungen ist es erforderlich, die Erwartungen der
unterschiedlichen Stakeholder zu erkennen und zu bestimmen, inwieweit sie einen
aktiven Einfluss auf das Unternehmen ausüben können bzw. werden.
Die Bedeutung des
Stakeholdermanagements erstreckt sich demzufolge nicht auf das Tagesgeschäft,
sondern vorrangig auf weitreichende strategische Entscheidungen. Dies betrifft
Unternehmensentwicklungen, die zumindest die Interessen einzelner Stakeholder
oder Gruppen berühren.
Identifikation der
Stakeholder
Bei der Identifikation der
Stakeholder dürfen nicht nur die formellen Strukturen des Unternehmens
betrachtet werden. Vielmehr müssen auch informelle und möglicherweise indirekte
Beziehungen einbezogen werden.
Zu diesem Zweck ist es
hilfreich, die Stakeholder-Umgebung in Form von inneren und äußeren Kreisen zu
betrachten. Grundsätzlich repräsentieren innere Kreise die bedeutsameren und
einflussreicheren Stakeholder.

Die hier eingetragenen
Stakeholder bzw. Gruppen dienen lediglich dem allgemeinen Überblick.
Grundsätzlich hängt die Formation von Stakeholdergruppen von der jeweiligen
Situation ab. Obwohl die Stakeholderanalyse auch als Instrument der
Branchenanalyse genutzt werden kann, ist sie zur Beurteilung konkreter
Entscheidungen oder Situationen in Unternehmen am wirkungsvollsten. Hier wirkt sich
aus, dass sich einzelne Personen oder Gruppen in verschiedenen Situationen
unterschiedlich verhalten werden. So könnten z.B. die Marketing- und die
Produktionsbereiche hinsichtlich einzelner Produktentscheidungen gleicher oder
unterschiedlicher Auffassung sein und müssten dementsprechend in die Analyse
einbezogen werden. Umweltschutzverbände werden i.d.R. geringes Interesse an
personellen Entscheidungen eines Unternehmens zeigen, können jedoch bei
Standortentscheidungen erheblichen Einfluss ausüben.
Bestimmung des Einflusses
Im Zusammenhang mit der
Stakeholderanalyse versteht man unter Einfluss die Fähigkeit einer Person oder
einer Gruppe, andere Personen/Gruppen zu bestimmten Handlungsweisen zu bewegen.
Eine solche Beeinflussung kann auf unterschiedliche weise erfolgen, z.B. durch
direkte Weisungsbefugnis, Lobbyismus, Ausüben einer marktbeherrschenden
Stellung oder Meinungsführerschaft. Der Einfluss von Stakeholdern kann sich wie
folgt begründen:
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Interne Stakeholder |
Externe Stakeholder |
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· Hierarchie (z.B. formelle Weisungsbefugnis · Einfluss (z.B. charismatische Führungspersönlichkeiten · Kontrolle über strategische Ressourcen (z.B. Zuständigkeit für strategisch wichtige Produkte, Kunden etc.) · Wissen und Fähigkeiten (z.B. Spezialistenwissen) · Kontrolle über externe Faktoren (z.B. Kontakte, Verhandlungsgeschick) |
· Kontrolle über strategische Ressourcen (z.B. Hauptlieferant, Gewerkschaften) · Wissen und Fähigkeiten (z.B. Subunternehmer) · Interne Kontakte (z.B. Lobbying) |
Da sich der Einfluss
einzelner Stakeholder aus zahlreichen verschiedenen Quellen ergeben kann, ist
es oft hilfreich, auf sichtbare Anzeichen für möglichen Einfluss zu achten.
Dazu können folgende Indikatoren verwendet werden:
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Interne Stakeholder |
Externe Stakeholder |
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Status z.B. hierarchische Stellung, Gehalts-/Prämienniveau, Ansehen |
Status z.B. Reaktionsgeschwindigkeit des Unternehmens auf Anfragen |
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Ressourcen z.B. Abteilungsbudget, Anzahl der Mitarbeiter – besonders deren Entwicklung im Vergleich zu anderen Abteilungen oder in Relation zu den insgesamt vorhandenen Ressourcen |
Ressourcen z.B. prozentualer Anteil an Geschäftsanteilen, Kreditvolumen, Absatz- oder Einkaufsvolumen, gegenseitige organisatorische Verflechtungen à Wechselkosten des Unternehmens |
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Repräsentation in wichtigen Positionen/Organen z.B. Sitz im Aufsichtsrat, Beteiligung in wichtigen Kommissionen und Projektteams |
Vereinbarungen z.B. Festpreisvorgaben des Unternehmens vs. gleichberechtigte Preisvereinbarungen |
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Statussymbole z.B. eigene Sekretärin, Lage und Ausstattung der Büros, Zugehörigkeit zu wichtigen Verteilerlisten |
Statussymbole z.B. Einladung zu Geschäftsessen, direkter Kontakt zum Top-Management |
Einzelne Ausprägungen dieser
Indikatoren werden dabei kaum ein aussagefähiges Bild über den Einfluss des
Stakeholders ergeben. Die kombinierte Betrachtung aller möglichen
Einflussquellen und –indikatoren – auch im Vergleich zu anderen Stakeholdern –
wird jedoch zum Gesamtverständnis beitragen können.
Analyse von Interesse und
Einfluss
Neben der Untersuchung des
Einflusses einzelner Stakeholder im Sinne von ihrer Fähigkeit, auf bestimmte
Vorgänge einzuwirken, muss auch berücksichtigt werden, inwieweit er diesen
Einfluss voraussichtlich ausüben wird. Lokale Behörden können u.U. hohen
Einfluss auf ein Unternehmen nehmen. Im Falle einer geplanten Sitzverlagerung
würden sie diesen Einfluss geltend machen, während sie eine Entscheidung über
neue Produktlinien nur interessiert zur Kenntnis nehmen würden.
Zur Bestimmung der
Erwartungen und des Einflusses einzelner Stakeholder kann die
Einfluss-Interessen-Matrix verwendet werden. Dabei werden folgende Sachverhalte
beurteilt:
· Wie groß ist das Interesse des Stakeholders, seine Erwartungen an da Unternehmen zu verfolgen? und
· Hat der Stakeholder die Möglichkeiten, diese Erwartungen durchzusetzen?
Im Ergebnis gibt die
Einfluss-Interessen-Matrix Aufschluss darüber, wie das Unternehmen auf einzelne
Stakeholder oder Gruppen eingehen muss. Auf dieser Basis kann bestimmt werden,
ob anstehende Entscheidungen auf Unterstützung oder Widerstand stoßen werden
und welche Gruppen verstärkt einbezogen werden müssen.

Die Stakeholder in Sektor
A haben nur ein geringes Eigeninteresse an dem Vorhaben des Unternehmens
und könnten auch nur in geringen Umfang Einfluss ausüben. Sie sollten in dem
minimal gebotenen Rahmen informiert und einbezogen werden (z.B.
Pflichtveröffentlichungen).
Die Stakeholder in Sektor
B haben zwar ein großes Interesse an den Vorgängen im Unternehmen, jedoch
verfügen sie kaum über Einflussmöglichkeiten. Entsprechend ihrer Interessen
sollten sie insbesondere durch einen guten Informationsfluss eingebunden
werden. Bei Befriedigung dieser Informationsbedürfnisse können solche
Stakeholder in Entscheidungssituationen – z.B. bei der Bildung von Allianzen
oder der Abgabe öffentlicher Stellungnahmen – wichtige Verbündete sein.
Die Beziehung zu Stakeholdern
in Sektor C kann sich besonders schwierig gestalten. In diese Gruppe
fallen häufig institutionelle Investoren oder Gesetzgeber. Sie verhalten sich
weitgehend passiv und haben ein geringes Interesse an den Vorgängen im
Unternehmen. Sie können jedoch – bspw. durch Entscheidung über weitere
Ressourcen – erheblichen Einfluss auf das Unternehmen ausüben. Solche
Stakeholder sollten bei allen weitreichenden Entscheidungen bedacht werden und
entsprechend ihrer Interessengebiete auch einbezogen werden.
Die wichtigsten Stakeholder
befinden sich mit einem hohen Interesse und großen Einflussmöglichkeiten in Sektor
D. Sie sind unbedingt in Planungs- und Entscheidungsprozesse einzubeziehen.
In diese Matrix sind alle
identifizierten Stakeholder einzuordnen. Im Ergebnis können folgende
Erkenntnisse gewonnen werden:
· Empfehlungen für die Behandlung einzelner Stakeholder
· Identifikation der wichtigsten Befürworter und Gegner eines Vorhabens.
· Notwendige Umpositionierung von Stakeholdern. (z.B. Verminderung des Einflusses eines wichtigen Gegners – von D zu B; Erhöhung des Interesses eines einflussreichen Befürworters – von C zu D)
· Notwendige Maßnahmen, um Stakeholder in ihren Positionen zu halten. (z.B. Befriedigung der Interessen in Sektor C)
Zur Unterstützung dieses
Prozesses kann die gegenwärtige Stakeholdersituation einer aus Sicht des
Unternehmens wünschenswerteren Konstellation gegenübergestellt werden. Dies
ermöglicht die Aufdeckung von Abweichungen und zeigt Wege, die Position
einzelner Stakeholder zu verschieben. Beispielsweise kann die Meinung eines
wichtigen Kunden beeinflusst werden, indem man ihn frühzeitig in die
Planungsprozesse einbezieht und so für beide Seiten tragbare Lösungen findet.
Der Einfluss einer Abteilung, die einem Vorhaben positiv gegenübersteht, könnte
durch Aufnahme von Vertretern in Planungsgremien erhöht werden. Diese Analyse
kann auch Aufschlüsse liefern, ob größere Stakeholdergruppen ggf. in
Untergruppen unterteilt werden sollten, die dann entsprechend ihrer Interessen
unterschiedlich angesprochen und einbezogen werden. Auf diese Weise könnten
neue Allianzen gebildet und Einflussgewichtungen verschoben werden.
Bei jeder Beeinflussung von
Stakeholder-Positionen sind jedoch ethische und rechtlichen Grenzen zu
beachten.
Weiterführende Literatur zu
diesem Thema:
Johnson, G., Scholes, K. 1999. "Exploring Corporate
Strategy". Hemel Hempstead: Prentice Hall Europe.
Mintzberg, H. 1999. „Who should control the operation? In:
Mintzberg, H., Quinn, J.B. & Ghoshal, S. „The Strategy
Process“. Harlow: Pearson Education Ltd.
© Dagmar Recklies, Januar
2000
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