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themanagement.de |
Mythos Suchmaschine
Um es vorab klarzustellen: dieser Artikel will keinesfalls die
Bedeutung der Suchmaschinen für Nutzer oder Betreiber von Webseiten in Frage
stellen. Google & Co. sind und bleiben wichtige Navigationshilfen im
ständig wachsenden World Wide Web. Sie bieten dem Surfer Hilfe und Orientierung
in der unüberschaubaren Fülle von Webseiten und sind für Betreiber ein
unverzichtbares Hilfsmittel, um Besucher auf ihre Seiten zu leiten.
Dennoch weiß jeder, der schon einmal eine Suchmaschine benutzt hat,
dass die Ergebnisse teilweise fragwürdig sind. Auch wird jeder Webmaster
bestätigen können, dass hohe Nutzerzahlen nicht allein durch
Suchmaschinenanmeldungen erreicht werden können. Ebenso schwierig ist die von
jedem Anbieter im Internet angestrebte gute Positionierung, möglichst unter den
ersten zehn Treffern.
Dieser Artikel erklärt, warum die folgenden Aussagen in der
Web-Realität eher in das Reich der Mythen und Sagen gehören:
-
Suchmaschinen helfen, schnell und präzise die gewünschte
Information im Internet zu finden.
- Suchmaschinen tragen wesentlich zur Erhöhung der Nutzerzahlen bei.
Suchmaschinen helfen, schnell und präzise die gewünschte
Information im Internet zu finden
Zu dieser Aussage gibt es kein eindeutiges Ja oder Nein. Beispiele für
erfolgreiche wie erfolglose Suchen kann wohl jeder Internetnutzer aus eigenem
Erleben beisteuern. Grundsätzlich sind Informationen allgemeiner Natur mit
Suchmaschinen recht gut auffindbar. Sucht man ganz spezielle Daten, wird es
schon schwieriger. Wer z.B. einen Artikel über die Anwendung der Balanced Scorecard
in der XY-Branche sucht, findet bestimmt reichlich Unternehmensberatungen, die
die Balanced Scorecard nutzen und vermutlich auch einige mehr oder weniger
sinnvolle Informationen über die XY-Branche. Aber ausgerechnet zur Balanced
Scorecard in dieser Branche hat wohl noch niemand etwas geschrieben. Ein
brauchbares Ergebnis wird zum Glückstreffer.
Der Erfolg einer solchen gezielten Suche hängt zunächst einmal ganz
wesentlich von der Suchstrategie und Ausdauer des Suchenden ab. Es empfiehlt
sich in jedem Fall, mehrere Suchmaschinen zu nutzen, die Suchbegriffe zu
variieren und mit Hilfe der erweiterten Suchfunktion bestimmte Begriffe von der
Suche auszuschließen (z.B. Unternehmensberatung).
Das Problem besteht darin, dass auch die größte Suchmaschine nur eine
begrenzte Kapazität haben. Nach einer Studie von Peter Lyman und Hal Varian[1]
umfasst das WWW derzeit rd. 2,5 Mrd. Dokumente, mit einer Zuwachrate von
täglich weiteren 7,3 Mio. Seiten. Diese Zahlen beziehen sich jedoch nur
auf das in der Studie so genannte „Oberflächen-Web“ – Seiten mit statischem und
allgemein zugänglichem Inhalt. Das so genannte „Deep-Web“, das dynamische
Seiten und über das Internet zugängliche Datenbanken umfasst, soll der
Schätzung der Autoren zufolge noch rd. 400 bis 550 mal umfangreicher sein, als
das Oberflächen-Web.
Angesichts solcher Datenmengen haben Suchmaschinen keine Chance mehr,
den täglichen Informationszuwachs zu erfassen und zu indizieren. Hinzu kommt,
dass die meisten Suchmaschinen Webs nur bis in die dritte oder vierte
Hierarchieebene hinein untersuchen. Gerade Beiträge mit konkreten
Informationen, wie Artikel oder Studien, werden jedoch oft tief in
Unterverzeichnissen eines Webs oder in Datenbanken abgelegt. Damit sind sie für
die Suchmaschinen unerreichbar. Ein kürzlich erschienener Bericht von The
Standard[2] belegt dies mit folgendem Vergleich:
|
Anfang 1999 |
Anfang 2000 |
||||
|
|
Indizierte Seiten in Mio. |
% aller zugänglichen Seiten |
|
Indizierte Seiten in Mio. |
% aller zugänglichen Seiten |
|
Norhtern Light |
128 |
16 % |
|
1.247 |
42 % |
|
AltaVista |
128 |
16 % |
Fast |
575 |
19 % |
|
Snap |
128 |
16 % |
WebTop.com |
500 |
17 % |
|
HotBot |
88 |
11 % |
Inktome |
500 |
17 % |
|
Yahoo |
56 |
7 % |
AltaVista |
350 |
12 % |
|
Excite |
48 |
6 % |
Northern Light |
330 |
11 % |
|
Lycos |
24 |
3 % |
Excite |
250 |
8 % |
|
EuroSeek |
16 |
2 % |
Go (Infoseek) |
50 |
2 % |
|
Gesamt zugängliche Seiten |
800 Mio. |
Gesamt zugängliche Seiten |
3 Mrd. |
||
Obwohl diesem Bericht zufolge 18 % der Suchmaschinennutzer bei ihren
Suchen immer und weitere 60 % oft erfolgreich sind, ist das Frustrationsniveau
hoch:

Suchmaschinen tragen wesentlich zur Erhöhung der Nutzerzahlen bei
Suchmaschinen sind zweifellos eine wertvolle Quelle von Verkehr auf der
eigenen Internetpräsenz. Gerade für neu gestartete Webseiten mit begrenztem
Marketingbudget sind sie ein kostengünstiges Medium. Es wäre jedoch ein
gefährlicher Fehler, sich ausschließlich auf Suchmaschinen als „Lieferant“ von
Nutzern zu verlassen. Die Chancen, dass ein potenzieller Nutzer, der gerade die
von Ihnen angebotenen Informationen/Leistungen benötigt, Ihre Seiten über eine
Suchmaschine findet, sind eher gering:
Aufgrund der oben beschriebenen Informationsflut kommen die
Suchmaschinen mit dem Indizieren neu angemeldeter Seiten nicht nach. Zwischen
der Anmeldung und der Aufnahme in die Suchmaschine können bis zu acht Wochen
vergehen. Während dieser Zeit wird niemand Ihre Seite finden.
Man kann die meisten Dinge mit verschiedenen Wörtern beschreiben. Meta
Tags bieten zwar die Möglichkeit, eine Webseite mit verschiedenen Begriffen zu
kennzeichnen; trotzdem kann der Surfer eine andere Kombination oder
Schreibweise verwenden und so ihre Seite verfehlen.
Eine Platzierung auf den vorderen Positionen – idealerweise den ersten
zehn – für einen Suchbegriff ist entscheidend. Auch geduldige Surfer arbeiten
sich selten bis zu Position 70 durch. Angesichts der riesigen Zahl von
Dokumenten im Internet gibt es allerdings bei sehr vielen Suchbegriffen
tausende von zutreffenden Seiten.
Die Internetnutzer werden immer erfahrener. Die Suchmaschinen sind für
sie nicht der einzige Weg, gezielt Informationen zu finden. Der o.g. Bericht
von The Standard beschreibt das Suchverhalten wie folgt:

Suchmaschinenoptimierung: Es ist möglich, Webseiten gezielt auf die vorderen
Plätze der Suchmaschinen zu bringen
Die Optimierung von Webseiten für Suchmaschinen bewegt sich irgendwo
zwischen Wissenschaft und Alchimie.
Grundlage einer jeden Optimierungsstrategie sind dabei Kenntnisse über
die Ranking-Methoden der Suchmaschinen. Die beiden entscheidenden Kriterien für
die Wichtigkeit einer Seite sind dabei das Auftreten von Keywords und die
Link-Popularity. Die Keywords, über die eine Webseite als Suchbegriff gefunden
werden soll, sollten idealerweise nicht nur in den Meta Tags, sondern auch im
Seitentitel, im Dateinamen, und im eigentlichen Dokumenttext vorkommen. Bei der
Beurteilung der Link-Popularity überprüfen die Suchmaschinen, wie oft von
anderen (fremden) Webseiten zu der betreffenden Seite Links gesetzt werden.[3]
Zweifellos verbessert eine durchdacht entwickelte Webseite die Chancen
auf eine gute Platzierung. Wichtige Elemente dabei sind
· Pflege der Meta Tags unter Verwendung von Schlüsselbegriffen, die auch (möglichst häufig) im Seitentitel und im Body des Dokumentes vorkommen.
· Regelmäßige Wiederholung der Anmeldung bei Suchmaschinen, um diese zu einem erneuten Besuch der Seite zu animieren
· Gestaltung einer interessanten Webangebotes, zu dem möglichst viele andere Websites Links setzen.
Darüber hinaus gibt es einige Tricks, die von den Suchmaschinen formell
nicht akzeptiert werden und daher zum Ausschluss führen können. Allerdings
kommen die Suchmaschinen auch beim Aufspüren solcher nicht ganz fairen Mittel
nicht immer nach. Dazu gehören:
· Doorway-Pages – Suchmaschinen beurteilen die Wichtigkeit einer Seite oft nach der Häufigkeiten des Auftauchens der in den Metatags angegebenen Keywords. Also schalten einige Webbetreiber ihrer eigentlichen Startseite noch eine Doorway-Page vor, auf der nicht viel echter Inhalt steht, aber möglichst oft bestimmte Begriffe vorkommen. Meist findet man einen Endlostext mit immer den gleichen Sätzen.
· Cloaking – basiert auf dem gleichen Grundgedanken. Um den Suchmaschinen hohe Wichtigkeit durch häufiges Auftreten der Keywords vorzutäuschen, werden diese nach dem Prinzip „weißer Adler auf weißem Grund“ in der Farbe des Seitenhintergrundes an einer leeren Stelle platziert. Dieser Text ist für den Nutzer unsichtbar, wird aber von den Robots der Suchmaschine mit beachtet.
· Neuanmeldungen – Sie können in vernünftigen Abständen, insbesondere wenn es in dem Web wirklich neue Inhalte gibt, sehr nützlich sein. Viele Suchmaschinen nehmen es aber übel, wenn man seine Seiten täglich neu anmeldet.
Der Wirksamkeit solcher Maßnahmen sind jedoch Grenzen gesetzt, da sie
von den meisten Anbietern im Internet genutzt werden. Damit kommt man wieder zu
der bereits erwähnten Informationsüberflutung der Suchmaschinen. Hinzu kommt,
dass die Suchmaschinen die Rankings nach unterschiedlichen Kriterien vornehmen.
Webseiten können daher immer nur für einige, nie jedoch für alle Suchmaschinen
eingerichtet werden.
Aus diesen Gründen sollten Angebote findiger Agenturen, die eine
Weboptimierung mit „garantierter Platzierung unter den ersten zehn Treffern“
anbieten, mit Vorsicht betrachtet werden.
Abschließend noch zwei Hinweise, die sich in eigener Praxis als
hilfreich erwiesen haben:
· Wenn eine Seite bei einer Suchmaschine recht gut gerankt ist bzw. relativ viele Nutzer über diese Suchmaschine kommen – die Seite auf keinen Fall neu anmelden! Die Suchmaschine sieht ihre Seiten als wichtig an. Machen sie sie also nicht auf Neuerungen aufmerksam, die dem Bewertungsalgorithmus nicht so gut entsprechen könnten. (ausgenommen natürlich bei grundlegenden Änderungen von Inhalt und Struktur des Webs)
· Exotische und alternative Suchbegriffe - Lt. unserer Serverauswertung hat noch keine Suchmaschine einen Nutzer zu themanagement.de geschickt, der nach „Management“ oder „Marketing“ gesucht hat. Dafür hat sich unsere Serie über Managementmodelle als Treffer erwiesen. Wir erhalten viele Nutzer über Begriffe wie „SWOT“, „Ansoff“ oder „Porter“.
© Dagmar Recklies, Februar
2001
[1] Peter Lyman und Hal Varian: „How much information“,
verfügbar unter www.sims.berkley.edu/how-much-info/