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themanagement.de |
Leistungserbringung bei variabler Nachfrage –
Strategien zum Kapazitätsmanagement
Die meisten Unternehmen – sowohl in Produktions- als auch in
Dienstleistungsbrachen – sehen sich einer variablen Nachfrage nach ihren
Produkten oder Leistungen gegenüber. Je nach Geschäftszweig können diese
Schwankungen für gewisse Zeiträume mit unterschiedlicher Genauigkeit
vorhergesagt werden. Dies geschieht beispielsweise durch Einführung eines
Systems für Vorbestellungen oder durch Analyse der saisonalen
Nachfrageschwankungen vergangener Perioden. Obwohl solche Vorhersagen die
Produktionsplanung wesentlich erleichtern können, müssen die meisten
Unternehmen mit einer begrenzt variablen Kapazität eine schwankende Nachfrage
befriedigen.
Es ist die Aufgabe des Kapazitätsmanagements, die Kapazität eines
Systems mit der (erwarteten) Nachfrage nach Leistungen dieses Systems
abzustimmen. Grundsätzlich besteht die Möglichkeit, entweder die Kapazität des
Systems, oder die Entwicklung der Nachfrage zu beeinflussen. In der Praxis
erweist sich oft eine Kombination beider Methoden als wirtschaftliche Lösung.
Bei der Auswahl einer geeigneten Strategie ist neben technologischen
Gegebenheiten auch die strategische Frage von Bedeutung, ob das Unternehmen dem
Kundenservice oder der wirtschaftlichen Ausnutzung seiner Ressourcen die höhere
Bedeutung beimisst. Ein gleichzeitiges Erreichen beider Ziele ist nur bedingt
möglich:
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Betriebsart |
Problemstellungen des Kapazitätsmanagements |
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Produktion: |
Die Anlagen werden auf Bestellung nach den
individuellen Anforderungen und Zeitplänen des Kunden gefertigt. Daher müssen
die Ressourcen für jeden Auftrag separat zusammengestellt werden. Aufgrund
der Unsicherheit über den künftigen Auftragseingang müssen ausreichende
Kapazitäten vorgehalten werden und/oder Möglichkeiten zur Einbeziehung von
Subauftragnehmern bestehen. |
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Distribution: Großhändler |
Der Großhändler muss die Einzelhändler in einem
bestimmten Gebiet zuverlässig beliefern können, ohne dabei unnötig große
Lagerbestände vorzuhalten. Daher muss der Großhändler auf Basis möglichst
genauer Nachfragevorhersagen die Lagerbestände und Bestellmengen planen. |
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Transport: Umzugsservice |
Zu einem guten Service eines Umzugsunternehmens
gehört es, relativ kurze Wartezeiten gewährleisten zu können. Daher müssen in
gewissem Umfang freie Ressourcen bereitstehen. Allerdings kann es sich das
Unternehmen nicht leisten, zu viele Kapazitäten vorzuhalten, die nur in
Zeiten von Spitzenauslastungen genutzt werden. |
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Dienstleistung: Feuerwehr |
Eine Feuerwehr kann weder künftige
Nachfrageentwicklungen vorhersagen, noch kann sie Kunden warten lassen. Daher
müssen ausreichende Kapazitäten zur Verfügung stehen, um die allermeisten
Fälle handhaben zu können. Darüber hinaus sollten Notfallpläne für besondere
Situationen bestehen. |
In solchen und anderen Situationen mit schwankender Nachfrage, die
meist nur in begrenztem Umfang vorhergesagt werden kann, gibt es zwei
grundsätzliche Strategien des Kapazitätsmanagements:
ð
Anpassung der Systemkapazitäten in ausreichendem Umfang oder
ð
Eliminierung oder Reduzierung der Notwendigkeit für Anpassungen der
Systemkapazität
Strategie 1: Anpassung
der Systemkapazitäten
Diese Strategie ist in vielen Fällen möglich und empfehlenswert. In den
meisten Dienstleistungs- und Fertigungsunternehmen kann die Kapazität mit
geringer Verzögerung innerhalb bestimmter Grenzen angepasst werden. Übliche
Methoden sind Überstunden, der zielgerichtete Einsatz von Personal (z.B. im Supermarkt:
kassieren vs. Regale einräumen), der Einsatz von Leiharbeitskräften oder das
Verschieben von Wartungsarbeiten in Perioden mit geringer Nachfrage.
Insbesondere in Unternehmen mit mehreren Produkten/Leistungen können die
vorhandenen Ressourcen entsprechend der aktuellen Nachfrage bestimmten
Funktionen zugeordnet werden.
Das Streben nach Flexibilisierung der Arbeitszeiten ist Ausdruck
solcher Kapazitätsmanagementstrategien. Über Jahres- oder
Lebensarbeitszeitkonten können die Mitarbeiter entsprechend den
Nachfrageschwankungen eingesetzt werden.
Weiterhin ist die Kooperation mit Subauftragnehmern und strategischen
Partnern ein wichtiges Element einer solchen Strategie. Sie ermöglicht die
Einbeziehung von hochspezialisierten Ressourcen genau dann, wenn eine
entsprechende Nachfrage besteht. In Perioden niedrigerer Nachfrage fallen
jedoch keine Fixkosten für das Vorhalten der Kapazitäten an. Der
Subauftragnehmer hat zu diesen Zeitpunkten die Möglichkeit, seine Ressourcen
anderweitig einzusetzen. In ähnlicher Weise können Unternehmen Perioden
geringer Auslastung durch die Annahme von Lohnarbeiten, somit die Vermietung
ihrer Kapazitäten überbrücken.
Strategie 2:
Reduzierung der Notwendigkeit für Kapazitätsanpassungen
Der in Strategie 1 beschriebenen Anpassung der Kapazitäten an
Nachfrageschwankungen sind in den meisten Fällen technische und wirtschaftliche
Grenzen gesetzt: Überstunden, Freistellungen und befristete Einstellungen von
Personal unterliegen engen gesetzlichen Regelungen. Gerade bei hochqualifizierten
Arbeitskräften ist es auch nicht wünschenswert, diese bei jedem temporären
Nachfragerückgang freizusetzen. Viele technische Anlagen arbeiten nur bei einem
bestimmten Auslastungsgrad wirtschaftlich; auch die Verschiebung von Wartungs-
und Reparaturarbeiten ist nur in einem bestimmten Rahmen möglich.
In solchen Situationen kommt nun der bereits erwähnten Frage nach
Priorität von Kundenservice oder Ressourcennutzung entscheidende Bedeutung zu.
Strategie 2a:
Strebt das Unternehmen einen herausragenden Kundenservice an, so muss
eine ausreichende Kapazität vorgehalten werden, um die Nachfrage in
(fast) allen Fällen befriedigen zu können. Eine solche Strategie führt jedoch
notwendig dazu, dass die bestehenden Kapazitäten teilweise nur in geringem
Umfang genutzt werden. Aufgrund dieser unzureichenden Effizient wird ein
derartiges Leistungspaket i.d.R. vergleichsweise teuer sein. Eine Strategie,
die sich an der unverzüglichen Bedienung aller Nachfragespitzen orientiert, ist
daher nur in bestimmten Bereichen sinnvoll:
· Branchen, in denen eine sofortige Bedingung jeder Nachfrage wesentlicher Bestandteil der Leistung ist, und in denen die Kapazität nicht kurzfristig erhöht werden kann: Kraftwerke, Notfalldienste, wie Feuerwehr, Rettungswagen
· Luxusbranchen, in denen eine stetige Verfügbarkeit Bestandteil des Leistungsversprechens oder des Images ist
In dem letztgenannten Fall können die hohen Fixkosten der vorgehaltenen
Kapazitäten über ein Preispremium des Luxusgutes abgedeckt werden.
In den meisten Situationen ist jedoch ein solch umfassendes
Serviceangebot weder notwendig noch finanzierbar. Wenn die vorhandenen
Kapazitäten nicht ausreichen, um periodische Nachfragespitzen auszugleichen,
kann die Notwendigkeit von Kapazitätsanpassungen auf folgende Weise vermieden
werden (Strategie 2b):
· 2b I: Die
gebräuchlichste Methode ist die Lagerhaltung der fertigen Erzeugnisse.
Sie ermöglicht eine Trennung des Produktionsprozesses und des Vertriebsprozesses.
Während die Fertigung auf kontinuierlichem Niveau arbeitet, um die erwartete
Gesamtnachfrage einer Periode bereitzustellen, kann die Nachfrage aus
Lagerbeständen bedient werden. Die Nachfrageschwankungen werden somit durch
Variation des Lagerbestandes ausgeglichen.
Obwohl diese Strategie eine effiziente Ressourcenausnutzung und eine
weitestgehende Bedienung jeder Nachfrage gewährleistet, ist sie mit erhöhten
Kosten der Lagerung verbunden. Außerdem ist diese Strategie naturgemäß nur für
lagerfähige Güter anwendbar. Dienstleistungen sind somit völlig ausgeschlossen.
In die Erbringung einer Dienstleistung ist der Kunde i.d.R. persönlich
(zumindest durch Bereitstellung seines zu bearbeitenden Eigentums) involviert.
Die Leistung muss dann erbracht werden, wenn sie vom Kunden angefordert wird.
· 2bII: In Fällen, in denen eine Lagerung der Erzeugnisse nicht möglich oder nicht gewünscht ist, wird oft eine Kapazitätsreserve innerhalb einer bestimmten Obergrenze vorgehalten, die eine Bedienung der normalen Nachfrageschwankungen ermöglicht. Es wird in Kauf genommen, dass bei Nachfragespitzen
· Geschäft verloren geht, da Kunden abgewiesen werden oder sich selbst für einen anderen Lieferanten entscheiden oder
· Die Kunden auf die Erbringung der Leistung warten müssen.
Diese Strategie ist typisch für viele Dienstleister,
bei denen die Kunden sich oft von selbst einen Termin besorgen (also warten)
oder in Ausnahmefällen nach sofortiger Leistungserbringung fragen und ggf. zu
einem Lieferantenwechsel bereit sind (z.B. Friseur, Autowerkstatt)
Damit liegt der Schwerpunkt der Strategie I auf der Gewährleistung
eines hohen Kundenservice (im Sinne einer sofortigen Bedienung der Nachfrage),
während die Strategien vom Typ 2 im Interesse einer besseren
Ressourcenausnutzung in unterschiedlichem Umfang Abstiche am Kundennutzen
akzeptieren.
Die Auswahl einer geeigneten Strategie des Kapazitätsmanagements bzw.
einer geeigneten Kombination hängt somit von den Prioritäten bei der
Leistungserbringung (Ressourcenausnutzung vs. Kundenservice) sowie den
objektiven technologischen Gegebenheiten des Leistungsprozesses aus. Das
folgende Diagramm stellt die einzelnen Strategien und ihre Einsatzmöglichkeiten
in einem Entscheidungsbaum dar, der diese Faktoren berücksichtigt:

© Dagmar Recklies März 2001
Pdf-Version
zum Drucken (68 KB)
Literaturempfehlungen:
Wild, R. 1995. Production and Operations Management. London: Cassell.
Wright, J.N. 1999. The Management of Service Operations. London: Cassell.