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Schlechtes Marketing schwächt deutsche Banken
60% der deutschen Banken richten ihr Marketing nicht strategisch aus &
reduzieren so Wachstumspotenziale / Hintere Plätze im europäischen Vergleich /
Konsumgüterbranche als Vorbild für Finanzwirtschaft
Durch schwache Performance im Marketing verschenken deutsche Banken im
europäischen Vergleich erhebliche Wachstumschancen und Kundenpotenziale. Den
meisten deutschen Playern im Finanzsektor fehlt eine klare, mit der Produkt- und
Marketingstrategie abgestimmte Positionierung – ein erheblicher
Wettbewerbsnachteil im nationalen wie internationalen Wettbewerb. Zu diesem
Ergebnis kommt eine aktuelle Studie der internationalen Strategie- und
Technologieberatung Booz Allen Hamilton. Diese untersucht und bewertet die
Marketingaktivitäten verschiedener Branchen. Aus der europäischen Finanz- und
Bankwirtschaft wurden über 1.200 Führungskräfte befragt.
Laut Studie nutzen nur 38% der Finanzdienstleister in Europa Marketing als
strategischen Hebel für Wachstum und Wettbewerbsdifferenzierung. Damit liegen
Banken im Vergleich zu anderen Industrien weit zurück. Der Durchschnittswert
aller untersuchten Branchen liegt bei 49%. Noch deutlicher klafft die Lücke zu
besonders marketing- und vertriebsorientierten Branchen wie z.B.
Konsumgüterherstellern. Hier betreiben 64% strategisch überzeugendes Marketing.
Nur 7% der europäischen Banken schaffen es in die Spitzengruppe: Ihr Marketing
ist als exzellent zu bewerten. Der Gesamtdurchschnitt aller Branchen in dieser
Top-Kategorie liegt bei 11%. „Unsere Studie belegt erheblichen Nachholbedarf der
europäischen Finanzdienstleister in Sachen Marketing“, so Dr. Johannes Bussmann,
Partner und Geschäftsführer Financial Services und IT bei Booz Allen Hamilton.
„Aufgrund drastisch abnehmender Kundenloyalität und scharfem, internationalen
Wettbewerbsdruck sind die Positionierung der eigenen Marke, die
Zielgruppendefinition sowie Ausgestaltung und Marketing für einzelne Produkte
des Portfolios existenziell. In vielen Bereichen, wie etwa dem
Konsumentenkredit, gleichen sich Bankprodukte klassischen Konsumprodukten an und
sollten auch als solche vermarktet werden.“
Düsteres Bild bei deutschen Banken
Ein besonders alarmierendes Ergebnis: 60% der deutschen Bankinstitute setzen
Marketing ausschließlich als operatives Instrument ein. Zum Vergleich: Der
Durchschnitt aller untersuchten Branchen liegt deutschlandweit bei 33% – der
europäische Branchenschnitt sogar bei nur 18%. Die Studie konnte keiner einzigen
deutschen Bank Marketing mit strategischer Qualität attestieren. „Hier wird an
der Lebenswelt der Privatkunden und den speziellen Bedürfnissen der
Unternehmenskunden vorbei agiert. Der Fokus liegt zu stark auf Marken- und
Imagebildung“, erklärt Bussmann.
Mehrwert statt Seniorenteller
Gerade der Privatkundenbereich ist von immer heterogeneren Zielgruppen geprägt.
Ein Beispiel für die so entstehenden Marketing-Herausforderungen ist die
Ansprache der ‚Best Ager’. Die über Fünfzigjährigen besitzen heute 48% des
verfügbaren Einkommens, Tendenz steigend. Dennoch haben Banken bisher kaum
spezielle Best-Ager-Produkte im Portfolio, obwohl 50+-Kunden attraktive Margen
und echtes Differenzierungspotenzial bieten. Senioren sind bereit, für eine
ausführliche persönliche Beratung oder für auf sie zugeschnittene Leistungen
auch einen höheren Preis zu zahlen. Dabei bevorzugen sie die traditionelle
Filiale. „Voraussetzung für erfolgreiche Kundengewinnung und -bindung ist, dass
Marketing ein überzeugendes Paket schnürt aus maßgeschneidertem Produkt und
Service, geeignetem Kanal und adäquater Ansprache. Hier schlummern erhebliche,
ungenutzte Wachstumspotenziale“, verdeutlicht Gregor Harter, Partner von Booz
Allen Hamilton und Spezialist für Marketing & Sales. Gleiches gilt für die
Erschließung weiterer attraktiver Zielgruppen wie etwa türkischer Mitbürger
durch Ethno-Marketing. „Vorbild kann die Mobilfunkbranche sein: Sie schafft
eigene, smarte Sub-Brands mit individueller Angebotsstruktur.“, so Harter
weiter.
Bankenprodukte wie Konsumgüter bewerben
„Erst wenige erfolgreiche Spezialisten erkennen den Trend: Bankprodukte müssen
viel stärker nach den Gesetzen der Konsumgüterindustrie vermarktet werden“,
konstatiert Bussmann. So hat sich mittlerweile der Vertrieb von Bankprodukten
über den Einzelhandel erfolgreich etabliert. Tchibo offeriert eine fast
komplette Angebotspalette im Retailbanking; Lidl startet Aktionen mit dem
Verkauf von Kreditkarten, und C&A bietet seinen Kunden sogar ein eigenes
Konsumentenprodukt an. Einzelne Banken haben diesen Paradigmenwechsel verstanden
und erfolgreich umgesetzt. So etablierte die ING-DiBa durch Marketing- und
Werbemaßnahmen, die durchgehend an den Bedürfnissen der Zielgruppe orientiert
sind, eine starke Dachmarke. Sie hat sich konsequent als schlanke, preisgünstige
Direktbank mit attraktiven Tagesgeldkonditionen im Markt positioniert. Mit einer
Vervierfachung des Marktanteils seit dem Einsteig des ING-Konzerns sind die
Niederländer mittlerweile Wachstumschampion im deutschen Privatkundengeschäft.
Auch aus diesem Grund wurde Klaus O. Schmidt, Mitglied des Vorstands und CMO, in
der letzten Woche in einer Gala in Frankfurt mit dem „CMO of the Year
2007“-Award ausgezeichnet.
Quelle: Booz Allen Hamilton (München), 14.11.2007
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