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Signale stehen auf Wachstum
Knapp vier von fünf deutschen Familienunternehmen (78 Prozent) verfolgen nach
eigenen Angaben eine Expansionsstrategie, während 18 Prozent eine Konsolidierung
anstreben. Gleichzeitig haben knapp 50 Prozent der Familienunternehmen ihre
Investitionen im Jahr vor der Befragung gesteigert, und rund 80 Prozent
berichteten über eine höhere Nachfrage.
Der weitaus wichtigste Erfolgsfaktor im Wettbewerb ist nach Ansicht der
befragten Unternehmen die technische Leistungsfähigkeit (42 Prozent der
Nennungen). Damit heben sich deutsche Familienunternehmen deutlich von den im
Ausland ansässigen Unternehmen ab. Weltweit setzen nur 9 Prozent der Unternehmen
auf Wettbewerbsvorteile durch innovative Technik. Die überdurchschnittlich
starke Technologieorientierung deutscher Familienunternehmen zeigt sich auch bei
den Investitionsvorhaben. So wollen 56 Prozent der inländischen Unternehmen zur
Stärkung der Wettbewerbsfähigkeit in Forschung und Entwicklung investieren, aber
nur 42 Prozent der Familienunternehmen im Ausland.
Umgekehrt verhält es sich bei der Bewertung des Markenimage. So hält keines
der deutschen Familienunternehmen seine Marke für einen Wettbewerbsvorteil,
während 11 Prozent der ausländischen Unternehmen auch auf den guten Namen ihrer
Produkte vertrauen. "Allerdings erkennen immer mehr Familienunternehmen in
Deutschland, dass sie den Wert einer starken Marke unterschätzen. So will gut
die Hälfte der inländischen Familienunternehmen mehr in das Marketing
investieren", kommentiert Winkeljohann.
Anstieg der Rohstoffpreise belastet
Die Studie zeigt zudem, dass deutsche Familienunternehmen die Herausforderungen
der Zukunft deutlich anders beurteilen als Unternehmen im Ausland. Während der
Anstieg der Rohstoffpreise hierzulande 61 Prozent der Familienunternehmen
beschäftigt, halten diesen Aspekt im europäischen Ausland nur 26 Prozent und
weltweit sogar nur 23 Prozent der Familienunternehmen für besonders
problematisch.
Über den stark diskutierten Fachkräftemangel machen sich nur 26 Prozent der
deutschen Unternehmen Sorgen, jedoch 37 Prozent der Familienunternehmen in
Europa und 42 Prozent der Befragten weltweit. Möglicherweise ist dieser
Unterschied aber auch dadurch zu erklären, dass sich die Familienunternehmen im
Inland bereits auf die demographische Herausforderung eingestellt haben. So
wollen knapp 70 Prozent der deutschen Familienunternehmen in Aus- und
Weiterbildung investieren. Damit hat das Personalwesen Vorrang vor allen anderen
Investitionsbereichen.
Vererben statt Verkaufen
In jedem vierten deutschen Familienunternehmen steht in den kommenden fünf
Jahren ein Eigentümerwechsel an. Dabei streben über 70 Prozent eine
familieninterne Nachfolge an, gut die Hälfte kann sich aber auch eine externe
Lösung vorstellen. So ist der Verkauf an das Management (23 Prozent) oder ein
anderes Unternehmen (20 Prozent) für rund jeden fünften Befragten eine Option,
die Veräußerung an Private-Equity-Investoren ziehen demgegenüber nur 13 Prozent
der Familienunternehmer in Betracht.
Im Ausland erwarten nur 51 Prozent der Befragten eine Fortführung des
Unternehmens in Familienbesitz. Der Verkauf an Private-Equity-Fonds ist sowohl
in Europa als auch weltweit für gut jedes fünfte Familienunternehmen denkbar,
während Wettbewerber und Management als potenzielle Käufer im Ausland eine
geringere Bedeutung haben als in Deutschland.
Fast alle Befragten in Deutschland (93 Prozent) berücksichtigen die
Erbschaftsteuer bei ihren Planungen zur Unternehmensnachfolge. "Bedenklich ist
jedoch, dass die Familienunternehmen in erster Linie die Besteuerung des
Inlandsvermögens im Blick haben, während Steuern bei der Übertragung von
Auslandsvermögen ausgeblendet bleiben", warnt Winkeljohann. So haben gut vier
von zehn Unternehmern das inländische Vermögen bewerten lassen, jedoch nur 18
Prozent auch das Vermögen im Ausland. Zudem kennen immerhin 81 Prozent der
Befragten die Steuerbelastung bei einem Verkauf des Unternehmens im Inland,
während sich nur 53 Prozent mit den steuerlichen Konsequenzen eines Verkaufs an
ausländische Interessenten befasst haben.
Defizite beim Konfliktmanagement
Obwohl Auseinandersetzungen in Familienunternehmen wegen der zwangsläufigen
Vermischung von unternehmerischen Entscheidungen mit persönlichen Neigungen
vergleichsweise häufig sind, gibt es nur bei jedem zweiten Unternehmen
Instrumente zum Konfliktmanagement. Knapp jeder dritte befragte
Familienunternehmer in Deutschland erwartet Auseinandersetzungen über die
künftige Firmenstrategie, drei Prozent der Befragten rechnen sogar mit "starken
Spannungen". Einen neutralen Schlichter für eventuell auftretende Streitigkeiten
haben jedoch nur 46 Prozent der Unternehmen, ein Familienrat existiert bei 21
Prozent der Befragten und vier von zehn Familienunternehmen verzichten bislang
sogar auf einen Gesellschaftsvertrag.
Einen Notfallplan für das unerwartete Ausscheiden eines
Mehrheitsgesellschafters haben immerhin 80 Prozent der befragten
Familienunternehmen. Allerdings gibt es nur bei 39 Prozent der Unternehmen
verbindliche Regeln für die Bewertung der zu übertragenden Anteile.
"Familienunternehmen sollten unbedingt klare Bewertungsgrundsätze aufstellen, um
im Notfall handlungsfähig zu bleiben. Anderenfalls drohen Interessenkonflikte,
die eine ohnehin schwierige Situation noch verschärfen können", betont
Winkeljohann.
Trotz dieser Defizite sind deutsche Familienunternehmen deutlich besser auf
Konflikte vorbereitet als ausländische. So verfügt europa- und weltweit nur
knapp jeder dritte Befragte über einen Gesellschaftervertrag sowie einen
neutralen Mediator für den Konfliktfall. Regeln für den Ein- und Austritt von
Gesellschaftern haben in Deutschland immerhin 25 Prozent der Unternehmen, im
Ausland nur gut 10 Prozent. Lediglich die Institutionen Familienverfassung und
Familienrat sind in ausländischen Familienunternehmen häufiger als in deutschen.
Forderungen an die Politik
Um die Technologieführerschaft auch weiterhin aufrecht zu erhalten, sollte der
Staat nach Ansicht der Familienunternehmen für eine engere Vernetzung von
Industrie und Wissenschaft sorgen (79 Prozent) sowie die Unternehmen bei der
Ausbildung und Personalentwicklung stärker unterstützen (44 Prozent).
Auch wenn die befragten Familienunternehmen Finanzierungsprobleme nicht mehr
zu den größten Herausforderungen zählen, würden doch immerhin knapp 60 Prozent
eine Regierungsinitiative für einen erleichterten Zugang zu den Kapitalmärkten
begrüßen. Gut die Hälfte der Befragten hält zudem Erleichterungen bei der
Bereitstellung von Risikokapital für wichtig.
Die Studie "Familienunternehmen 2008" finden Sie
hier als kostenlosen
Download.
Quelle: Pressemitteilung der PwC |