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Pressemitteilung - Pressemitteilung im Managementportal

 

 

Studie zur Zukunft des Automobilstandorts Deutschland 2008 - Rohstoffpreise und Innovationsdruck: Konsolidierungswelle in der deutschen Automobilbranche

Rohstoffkosten machen den Unternehmen zu schaffen / Neue technologische Anforderungen und hohe Innovationskosten werden Konsolidierung befördern / Weniger Produktionsverlagerungen ins Ausland

Den deutschen Automobilzulieferern machen derzeit vor allem die hohen Rohstoffpreise zu schaffen: 87 Prozent der Unternehmen geben an, dass diese Thematik sie derzeit besonders stark beschäftige. Die hohen Rohstoff- und Energiepreise erzwingen eine technologische Neuorientierung der Automobilbranche, der nicht alle deutschen Zulieferer gewachsen sein werden. Die Folge wird eine Konsolidierungswelle in der Zulieferbranche sein. Das sind Ergebnisse einer Studie des Prüfungs- und Beratungsunternehmens Ernst & Young, die auf einer Befragung von 150 deutschen Automobilzulieferern beruht.

Zulieferer in der Zwickmühle: Hohe Innovationskosten bei sinkender Marge
Hohe Energie- und Rohstoffpreise belasten insbesondere kleinere Zulieferer, und zwar vor allem solche, bei denen die Materialkosten einen hohen Anteil an den Gesamtkosten haben. Das wirkt sich belastend auf die Marge aus. Gleichzeitig verliert die weltweite Automobilkonjunktur an Fahrt, mit negativen Folgen für die Umsätze der Zulieferer. „Die Perspektiven für die Automobilindustrie haben sich in den vergangenen Monaten erheblich eingetrübt“, stellt Peter Fuß, Partner bei Ernst & Young, fest.

 

 

 
Hinzu kommt, dass die Automobilbranche angesichts der Klimadebatte und der hohen Kraftstoffpreise vor schwierigen Herausforderungen steht: Sie muss die Verringerung des Kraftstoffverbrauchs und die Reduzierung bzw. Vermeidung von Emissionen erreichen sowie in alternative Kraftstoffe und neue Antriebstechnologien investieren. „Vor uns liegt so etwas wie eine Revolution im Automobilbau“, stellt Fuß fest. „Viele Zulieferer müssen sich jetzt neu ausrichten und erhebliche Investitionen tätigen. Ein ‚Weiter so’ wird es nicht geben.“

 

 

Konsolidierung wird an Fahrt gewinnen
Die Fahrzeughersteller werden neue Anforderungen an die Technologiekompetenz und die Investitionsbereitschaft der Zulieferer stellen. Bei tendenziell sinkender Marge müssen die Unternehmen genug Finanzkraft aufbringen, um aus eigener Kraft oder durch Kooperationen/Zukäufe die Zukunftstechnologien entwickeln bzw. anbieten zu können, die über ihren zukünftigen Markterfolg entscheiden werden. „Den Unternehmen, die jetzt den Anschluss verpassen, weil sie die enormen Innovationskosten nicht schultern können, wird schnell das Aus drohen“, prognostiziert Fuß.

Die Studie zeigt: Gewinner des sich abzeichnenden Ausleseprozesses werden finanziell gut aufgestellte Unternehmen mit attraktivem Produktportfolio sein, die langfristig planen und so rechtzeitig die Weichen stellen können, um die vor ihnen liegenden Aufgaben zu bewältigen. Unternehmen hingegen, die eine geringe Eigenkapitalausstattung und eine ungünstige Finanzierungsstruktur aufweisen, kaum globalisiert sind oder sich nicht durch ein besonderes Produktportfolio auszeichnen, werden erheblich unter Druck geraten.

„Innerhalb der Zulieferbranche geht schon heute die Schere auseinander zwischen gut aufgestellten, finanziell kerngesunden Unternehmen und schwächeren Unternehmen, die sich nur mit großer Mühe im Wettbewerb behaupten können und finanziell oft mit dem Rücken zur Wand stehen“. Mit gutem Grund machen sich viele Zulieferer Sorgen über die finanzielle Stabilität ihrer eigenen Zulieferer. Immerhin 67 Prozent der Unternehmen geben an, dass dieses Thema derzeit für sie eine große Bedeutung habe – mit steigender Tendenz.

Weniger Produktionsverlagerungen ins Ausland
Der kostenbedingte Aufbau von Produktionskapazitäten im Ausland wird sich in den kommenden Jahren erheblich verlangsamen. Vor zwei Jahren plante noch jeder zweite deutsche Zulieferer, im Ausland Produktionskapazitäten aufzubauen – aktuell hat nur noch jedes vierte Unternehmen entsprechende Pläne.

„Die steigenden Energiepreise machen eine Produktion im Ausland – sofern sie in erster Linie das Ziel verfolgt, den westeuropäischen Markt zu beliefern – zunehmend unattraktiv, da die Logistikkosten sowie Probleme bei Qualität und Flexibilität einen erheblichen Teil der Kosteneinsparung wieder auffressen“, beobachtet Fuß. Zudem: „Der Kostenvorteil gerade Osteuropas ist in den vergangenen Jahren angesichts deutlich steigender Arbeitskosten in Osteuropa bei einer gleichzeitig sehr zurückhaltenden Entwicklung in Deutschland deutlich gesunken.“

Auf Herstellerseite ist derzeit allerdings kaum ein Nachlassen der Internationalisierungsdynamik festzustellen. Zahlreiche Hersteller investieren derzeit in neue Auslandsstandorte bzw. planen derartige Investitionen. „Die Zulieferer werden natürlich den Herstellern folgen, wenn das von ihnen gefordert wird“, so Fuß. Fest stehe aber, dass solch ein Aufbau zusätzlicher Auslandsstandorte heute sorgfältiger und mit größerer Zurückhaltung geprüft werde, als dies noch vor einigen Jahren der Fall gewesen sei.

Osteuropa wird auch auf mittlere Sicht die Region sein, die die größte Anziehungskraft auf deutsche Zulieferer ausübt. So planen 15 Prozent aller Zulieferer Investitionen in Osteuropa, wobei Polen und die Slowakei im Fokus stehen. Besonders große Zuwachsraten sind aber für Russland zu erwarten: Sieben Prozent der Unternehmen haben vor, dort tätig zu werden – 2006 lag der Anteil nur bei zwei Prozent. China und Indien sind ebenfalls im Visier der deutschen Zulieferer: Sieben bzw. fünf Prozent der Unternehmen planen den Aufbau von Produktionsstätten in diesen Ländern.

Weniger kostenbedingte Verlagerungen
Wenn deutsche Zulieferer derzeit im Ausland Fertigungsstätten aufbauen, handelt es sich zumeist um den Aufbau zusätzlicher Kapazitäten und nur in etwa einem Drittel der Fälle (auch) um eine Verlagerung von Produktion aus Deutschland ins Ausland. Vor zwei Jahren ergab die Umfrage noch ein grundsätzlich anderes Bild: 2006 verfolgten die Unternehmen noch bei zwei von drei Auslandsinvestitionen das Ziel, dabei Aktivitäten aus Deutschland heraus zu verlagern. 90 Prozent wollen die Produktion in Deutschland mindestens konstant halten – eine Ausweitung der Fertigung in Deutschland planen 34 Prozent.

Dementsprechend soll auch die Beschäftigung wachsen. Gut jeder dritte Zulieferer will innerhalb der kommenden zwölf Monate die Zahl der Mitarbeiter erhöhen, 88 Prozent der Unternehmen planen, die Beschäftigung in Deutschland mindestens konstant halten. Allerdings ist im Ausland eine deutlich größere Dynamik beim Beschäftigungsaufbau zu erwarten: 60 Prozent der Unternehmen wollen die Zahl der Mitarbeiter weltweit erhöhen.

Download der Studie
Sie haben die Möglichkeit, die Studie hier als Download (PDF - 1,5 MB, 32 Seiten) zu lesen.

 

Quelle: Pressemitteilung der Ernst & Young AG Wirtschaftsprüfungsgesellschaft Steuerberatungsgesellschaft vom 07.08.2008

 

 

 

 

 

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Stand: 13. Dezember 2014