Konsolidierung wird an Fahrt gewinnen
Die Fahrzeughersteller werden neue Anforderungen an die Technologiekompetenz und
die Investitionsbereitschaft der Zulieferer stellen. Bei tendenziell sinkender
Marge müssen die Unternehmen genug Finanzkraft aufbringen, um aus eigener Kraft
oder durch Kooperationen/Zukäufe die Zukunftstechnologien entwickeln bzw.
anbieten zu können, die über ihren zukünftigen Markterfolg entscheiden werden.
„Den Unternehmen, die jetzt den Anschluss verpassen, weil sie die enormen
Innovationskosten nicht schultern können, wird schnell das Aus drohen“,
prognostiziert Fuß.
Die Studie zeigt: Gewinner des sich abzeichnenden Ausleseprozesses werden
finanziell gut aufgestellte Unternehmen mit attraktivem Produktportfolio sein,
die langfristig planen und so rechtzeitig die Weichen stellen können, um die vor
ihnen liegenden Aufgaben zu bewältigen. Unternehmen hingegen, die eine geringe
Eigenkapitalausstattung und eine ungünstige Finanzierungsstruktur aufweisen,
kaum globalisiert sind oder sich nicht durch ein besonderes Produktportfolio
auszeichnen, werden erheblich unter Druck geraten.
„Innerhalb der Zulieferbranche geht schon heute die Schere auseinander
zwischen gut aufgestellten, finanziell kerngesunden Unternehmen und schwächeren
Unternehmen, die sich nur mit großer Mühe im Wettbewerb behaupten können und
finanziell oft mit dem Rücken zur Wand stehen“. Mit gutem Grund machen sich
viele Zulieferer Sorgen über die finanzielle Stabilität ihrer eigenen
Zulieferer. Immerhin 67 Prozent der Unternehmen geben an, dass dieses Thema
derzeit für sie eine große Bedeutung habe – mit steigender Tendenz.
Weniger Produktionsverlagerungen ins Ausland
Der kostenbedingte Aufbau von Produktionskapazitäten im Ausland wird sich in den
kommenden Jahren erheblich verlangsamen. Vor zwei Jahren plante noch jeder
zweite deutsche Zulieferer, im Ausland Produktionskapazitäten aufzubauen –
aktuell hat nur noch jedes vierte Unternehmen entsprechende Pläne.
„Die steigenden Energiepreise machen eine Produktion im Ausland – sofern sie
in erster Linie das Ziel verfolgt, den westeuropäischen Markt zu beliefern –
zunehmend unattraktiv, da die Logistikkosten sowie Probleme bei Qualität und
Flexibilität einen erheblichen Teil der Kosteneinsparung wieder auffressen“,
beobachtet Fuß. Zudem: „Der Kostenvorteil gerade Osteuropas ist in den
vergangenen Jahren angesichts deutlich steigender Arbeitskosten in Osteuropa bei
einer gleichzeitig sehr zurückhaltenden Entwicklung in Deutschland deutlich
gesunken.“
Auf Herstellerseite ist derzeit allerdings kaum ein Nachlassen der
Internationalisierungsdynamik festzustellen. Zahlreiche Hersteller investieren
derzeit in neue Auslandsstandorte bzw. planen derartige Investitionen. „Die
Zulieferer werden natürlich den Herstellern folgen, wenn das von ihnen gefordert
wird“, so Fuß. Fest stehe aber, dass solch ein Aufbau zusätzlicher
Auslandsstandorte heute sorgfältiger und mit größerer Zurückhaltung geprüft
werde, als dies noch vor einigen Jahren der Fall gewesen sei.
Osteuropa wird auch auf mittlere Sicht die Region sein, die die größte
Anziehungskraft auf deutsche Zulieferer ausübt. So planen 15 Prozent aller
Zulieferer Investitionen in Osteuropa, wobei Polen und die Slowakei im Fokus
stehen. Besonders große Zuwachsraten sind aber für Russland zu erwarten: Sieben
Prozent der Unternehmen haben vor, dort tätig zu werden – 2006 lag der Anteil
nur bei zwei Prozent. China und Indien sind ebenfalls im Visier der deutschen
Zulieferer: Sieben bzw. fünf Prozent der Unternehmen planen den Aufbau von
Produktionsstätten in diesen Ländern.
Weniger kostenbedingte Verlagerungen
Wenn deutsche Zulieferer derzeit im Ausland Fertigungsstätten aufbauen, handelt
es sich zumeist um den Aufbau zusätzlicher Kapazitäten und nur in etwa einem
Drittel der Fälle (auch) um eine Verlagerung von Produktion aus Deutschland ins
Ausland. Vor zwei Jahren ergab die Umfrage noch ein grundsätzlich anderes Bild:
2006 verfolgten die Unternehmen noch bei zwei von drei Auslandsinvestitionen das
Ziel, dabei Aktivitäten aus Deutschland heraus zu verlagern. 90 Prozent wollen
die Produktion in Deutschland mindestens konstant halten – eine Ausweitung der
Fertigung in Deutschland planen 34 Prozent.
Dementsprechend soll auch die Beschäftigung wachsen. Gut jeder dritte
Zulieferer will innerhalb der kommenden zwölf Monate die Zahl der Mitarbeiter
erhöhen, 88 Prozent der Unternehmen planen, die Beschäftigung in Deutschland
mindestens konstant halten. Allerdings ist im Ausland eine deutlich größere
Dynamik beim Beschäftigungsaufbau zu erwarten: 60 Prozent der Unternehmen wollen
die Zahl der Mitarbeiter weltweit erhöhen.
Download der Studie
Sie haben die Möglichkeit, die Studie
hier als Download (PDF - 1,5 MB, 32 Seiten) zu
lesen.
Quelle: Pressemitteilung der Ernst & Young AG Wirtschaftsprüfungsgesellschaft
Steuerberatungsgesellschaft vom 07.08.2008