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Jeder dritte Mittelständler noch nicht für
den Aufschwung gerüstet
Ernst & Young-Umfrage
„Mittelstandsbarometer 2010“
Geschäftslage im deutschen Mittelstand leicht
verbessert, optimistischer Ausblick / Aber weiter starke Zurückhaltung bei
Investitionen / Rückgang der Beschäftigung erwartet / Weiterer Anstieg der
Insolvenzen zu erwarten / Jedes zehnte Unternehmen gefährdet
Immer mehr Mittelständler sehen Licht am Ende des Tunnels:
38 Prozent der Unternehmer erwarten eine Verbesserung der eigenen
Geschäftslage, sogar 48 Prozent glauben, dass sich die konjunkturelle Lage
in Deutschland verbessert. Die Investitionsbereitschaft steigt hingegen kaum
– zudem wollen die mittelständischen Unternehmen im laufenden Jahr die Zahl
der Mitarbeiter reduzieren. Mit ihrer vorsichtigen und abwartenden Haltung
drohen die deutschen Unternehmen den Anschluss zu verpassen, wenn die
weltweite Konjunktur wieder an Kraft gewinnt. Das sind Ergebnisse des
„Mittelstandsbarometers 2010“ der Prüfungs- und Beratungsgesellschaft Ernst
& Young. Die Studie wird halbjährlich durchgeführt, ihr liegt eine Umfrage
unter 3.000 mittelständischen Unternehmen in Deutschland zugrunde, die im
Dezember 2009 durchgeführt wurde.
Die mittelständischen Unternehmen sind der Meinung, dass
das Schlimmste überstanden ist: Der Anteil der Befragten, die eine
Verbesserung ihrer Geschäftslage erwarten, steigt im Vergleich zum Juni des
vergangenen Jahres von 29 auf 38 Prozent. Eine Verschlechterung der eigenen
Lage erwarten hingegen nur 11 Prozent. Und auch die Konjunkturerwartungen
haben sich weiter verbessert: 48 Prozent der Unternehmer erwarten eine
Verbesserung der Wirtschaftslage in Deutschland (Juni 2009: 32 Prozent) –
einen Abschwung erwarten nur noch 21 Prozent der Befragten (Juni 27
Prozent).
„Die Krise ist zwar noch nicht vorbei, aber der Schmerz
lässt langsam nach“, kommentiert Peter Englisch, Partner bei Ernst & Young.
„Über den Berg sind viele Mittelständler aber trotz der leichten
Konjunkturerholung noch nicht“. Die kommenden Monate würden nach seiner
Einschätzung eine weitere Verbesserung der Lage bringen – „für eine
Entwarnung ist es aber noch zu früh“.
Die Mehrheit der Unternehmen ist trotz der schlechten
Wirtschaftslage derzeit in einer relativ stabilen Verfassung: Knapp jedes
dritte Unternehmen (29 Prozent) ist in einem sehr stabilen Zustand, weitere
63 Prozent bezeichnen die eigene Situation als „eher stabil“. Acht Prozent
sind nach eigener Auskunft derzeit in einer kritischen Lage – im Juni 2009
lag der Anteil noch bei 12 Prozent.
Aufschwung kommt für viele zu spät
Die Befragten sehen im Durchschnitt das Ende
der Krise für Juni 2011 voraus. Immerhin jeder zweite geht sogar davon aus,
dass die Krise bereits in diesem Jahr vorüber sein wird.
Die prognostizierte Verbesserung der Wirtschaftslage wird
allerdings nicht verhindern können, dass die Zahl der
Unternehmensinsolvenzen gerade im Mittelstand weiter steigt, meint Englisch:
„Selbst wenn jetzt wieder eine leichte Erholung festzustellen ist – ein
Produktionseinbruch wie es ihn 2009 gegeben hat, hinterlässt deutliche
Spuren. Es wird noch mindestens zwei Jahre dauern, bis wir beim
Produktionsvolumen wieder auf dem Stand vor der Krise sind. Eine solche
Unterauslastung der Kapazitäten beschleunigt die Marktbereinigung“, so
Englisch.
Zudem wird die steigende Zahl von Insolvenzen auch bislang
gesunde Unternehmen in Schwierigkeiten bringen. „Forderungsausfälle können
durchaus zu existenzbedrohenden Situationen führen“, so Englisch. Einigen
Unternehmen wird auch die wachsende Zurückhaltung der Banken bei der
Kreditvergabe zum Verhängnis: „Wer schon vor der Krise Probleme hatte, kann
jetzt kaum noch auf Entgegenkommen von Seiten der Banken hoffen. Die Banken
sind bei der Kreditvergabe zu Recht sehr vorsichtig geworden. Für einige
mittelständische Unternehmen wird die Zeit wird knapp.“, berichtet Englisch.
Sollte keine deutliche Verbesserung der Wirtschaftslage
eintreten, könnten daher zahlreiche Unternehmen gefährdet sein: Bei jedem
zehnten Unternehmen würde das Ausbleiben eines nachhaltigen Aufschwungs zu
existentiellen Problemen führen – nur jedes zweite Unternehmen sieht sich
derzeit gefeit gegen die Auswirkungen der Krise. In den ostdeutschen
Bundesländern ist die Situation besonders schwierig: Jeder sechste
ostdeutsche Mittelständler befände sich in einer kritischen Situation, wenn
es in den kommenden sechs Monaten nicht zu einer durchgreifenden
Verbesserung der Wirtschaftslage kommt.
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