Das Ende der Events?
Entwicklung von zielorientierten Marketingveranstaltungen mit immer neuen
Bezeichnungen. Oder: „Events waren gestern, Erlebniskommunikation ist
heute“.
von Günter Dull
Event, ist eine
Bezeichnung, die seit Anfang der 90er Jahre für Veranstaltungen aller Art
verwendet wird, obwohl diese der direkten Übersetzung Event=Ereignis gar
nicht gerecht werden.
Was sind Events und
warum wurde dieser Begriff in der Veranstaltungsbranche überhaupt
etabliert? Sinn und Zweck war die Unterscheidung zwischen Veranstaltungen,
die ausschließlich zum Vergnügen durchgeführt wurden und
Business-Veranstaltungen, die im Bereich Marketing zur Übermittlung einer
klaren Botschaft und einer eindeutigen Zielsetzung versehen waren. Nur für
diese Business-Veranstaltungen sollte eigentlich der Begriff Event
verwendet werden. Events, also die echten, sind zwischenzeitlich
Bestandteil des Marketing-Mixes jeder Firma mit einer aktiven
Marketingabteilung. Deshalb wurde anstatt dem Begriff „Event“ auch bald
die neue Bezeichnung „Marketing-Events“ verwendet. Dies sollte zur
Unterscheidung von Events und Events dienen, nämlich Events, die einfach
nur als Event bezeichnet wurden, jedoch gar keine waren, und Events, die
tatsächlich als Marketing-Maßnahme genutzt wurden und mit der Zielsetzung
versehen waren, dass sich die Gäste nach dem Event positiv an den
Gastgeber, sein Produkt oder seine Dienstleistung erinnern sollen. Es
gilt, eine Botschaft zu übermitteln. Und das geht nur in einem emotional
ansprechenden, jedoch nicht zu aufdringlichen Umfeld. Eine überzogene,
technische Materialschlacht mit riesigen Aufbauten kann genau das
Gegenteil bewirken. Der Mensch muss im Mittelpunkt stehen. Passend ist das
Lieblingsmotto des Verkaufstrainers Joachim Bullermann: „Menscherlebnis
kommt immer vor Materialerlebnis !“
Eine der
wesentlichen Aufgaben bei Events ist, dass sich die Gäste, seien es
Kunden, Mitarbeiter, Händler, Messe- oder Laufpublikum, mitten im
Geschehen befinden und nicht nur passiv konsumieren. Nur über die
persönliche und emotionale Ebene kann die entsprechende Aufmerksamkeit
geweckt werden. Die tollste Idee, die aufwendigste Technik und die
spektakulärste Attraktion verfehlen ihre Wirkung, wenn nicht
berücksichtigt wird, dass der Gast einen Bezug herstellen und sich nach
der Veranstaltung primär an das Produkt, die Dienstleistung und die Firma
erinnern muss. Es gibt zahlreiche Faktoren für wirkungsvolle Events und
Aktionen. Dazu gehören z.B. Beeinflussungstechniken, Soziologie,
verhaltenswissenschaftliche Grundlagen, Erlebnisschemata, Dramaturgie,
multisensuale Reize und vieles mehr. Für jede Marketingaktion ist es
nötig, über die Menschen nachzudenken, die angesprochen werden sollen. Das
Ziel ist das Erreichen der Zielgruppe. Dazu gehört im Rahmen des Events
und darüber hinaus eine integrierte Kommunikation. Bei einem Event muss
die Firma, dass Produkt und/oder die Dienstleistung positioniert, dass
heißt, so ausgerichtet, dass sich das Angebot in den Köpfen der
Verbraucher als attraktive Ware oder Dienstleistung festsetzt. Die
Erinnerungsfähigkeit korelliert jedoch stark mit Originalität und
Unterscheidbarkeit, so dass es eine der wichtigsten Aufgaben ist,
innovative und außergewöhnliche Events, Produktpräsentationen,
Messeauftritte, Roadshows und Marketingaktionen zu kreieren und zu
realisieren. Ein klares Merkmal von Events ist nicht nur die Zielsetzung,
sondern auch die Einzigartigkeit und die Dramaturgie. Marketing-Events
müssen ein Ereignis sein!
Der Begriff Event
ist jedoch mega-inflationär. Vermieter von Hüpfburgen und
Aktionsspielgeräten bezeichnen diese sogar als Event. So steht zum
Beispiel auf der Katalog-Titelseite eines Anbieters zum Beispiel: Mehr als
1000 Events. Dies ist nicht „im Sinne des Erfinders“. Ein Event gibt es
nicht aus dem Katalog und auch nicht aus der Tüte. Spätestens wenn auf der
Hunderter-Packung Luftballons steht: „Enthält 100 Events“, wäre es Zeit
gewesen, einen neuen Begriff zu finden. So ganz aus der Luft gegriffen ist
dies übrigens nicht. Immerhin steht ja auch auf jeder Packung Erdnüsse
drauf: „Kann Spuren von Nüssen enthalten.“
Event wird nicht nur
als Bezeichnung für Marketing-Veranstaltungen verwendet, sondern auch in
neuen Berufsbezeichnungen wie zum Beispiel dem Event-Manager. Es gibt
bereits Studiengänge und Institute zur Ausbildung von Event-Managern. Die
Ausbildung beinhaltet jedoch hauptsächlich den Bereich Projektmanagement,
weniger den Bereich Event-Kreation. Ich bin sicher, dass mir alle
Marketing-Eventagenturen recht geben, wenn ich behaupte: Ein Event steht
und fällt mit der Kreation, mit der Idee, die den Bogen spannt zwischen
Botschaft und Zielgruppe. Zu Kreation gehören Begriffe wie kreativ und
Kreativität. Die richtig guten Eventmacher sind daher eher Event-Creator.
Die Event-Manager setzen das Projekt lediglich um, planen, organisieren
und kalkulieren es. Sie managen Events. Ein echter Event-Creator kann mit
solchen festen Strukturen gar nichts anfangen, denn er verfügt über eine
kreative Denkstruktur, die eher chaotisch ist. Kreative, emotionale
Menschen sind rechtshirndominant, kognitiv, sachliche Menschen eher
linkshirndominant. Wird aber bei der Ausbildung zum Eventmanager die
Hirndominanz festgestellt? Wissen die Auszubildenden, welche Hirnseite bei
ihnen dominant ist und wenn ja, wie hoch der prozentuale Anteil ist?
Wissen die Menschen, die sich zum Eventmanager ausbilden lassen,
überhaupt, ob sie kreatives Potential haben? Wird Kreativität in der
Ausbildung zum Eventmanager gefördert? Bei den Instituten und
Studiengängen ist jedenfalls nicht viel davon zu finden. Wenn die
zukünftigen Fachleute für Events, eben die Eventmanager, nicht einmal von
sich selbst wissen, wie sie psychisch funktionieren, wie wollen sie dann
eine emotionale Plattform für die Zielgruppe schaffen? Ein hohes Potential
an emotionaler Intelligenz und Empathie ist für einen Event-Creator jedoch
unbedingt erforderlich. Nur so kann er es schaffen, sich in die
Marketingstrategie und die Zielgruppe hinein zu versetzen.
Warum heißt dieser
Beitrag „Das Ende der Events“?
Aufgrund des
inflationären Begriffs „Event“ und der Verwendung desselben für allerlei
Aktionen und Angebote, ist sehr schnell der neue Begriff „Marketing-Event“
für die zielorientierten Marketingveranstaltungen geschaffen und verwendet
worden. So richtig glücklich war jedoch niemand damit, da sich der Begriff
„Event“ einerseits sehr schnell in den Sprachgebrauch der Branche
festgesetzt hat, andererseits aber immer mehr an Aussagekraft verlor. Die
Agenturen und Eventprofis wollten und wollen sich jedoch aus der großen
Masse, die fast schon zu einem unübersichtlichen Brei geworden ist,
abheben. Die Marketingfachleute der Agenturen müssen sie sich ja ebenfalls
positionieren, was mit dem Begriff „Eventagentur“ nicht mehr gut klappt,
auch wenn dieser Begriff weit verbreitet ist. Zwischenzeitlich gibt es
zahlreiche neue Bezeichnungen, sozusagen als Ersatz für den Begriff
„Event“, „Marketing-Event“ oder „Event-Marketing“. So heißen die
Fachagenturen heute nicht mehr Eventagentur, sondern zum Beispiel
„Fachagentur für Live-Kommunikation“, „Fachagentur für Erlebnismarketing“,
„Agentur für Direkt-Kommunikation“, „Agentur für Community-Events“,
„Agentur für Live-Marketing“, „Agentur für Flow-Marketing“ und so weiter.
Vielleicht wird sich einer dieser Begriffe in Zukunft etablieren und als
eine etwas dauerhaftere und aussagekräftigere Bezeichnung für
Marketingkommunikation werden können.
Die Zielsetzung
bleibt die gleiche, auch wenn zwischenzeitlich der Bereich Kundenbindung
und die Informationen aus den CRM-Datenbanken immer mehr für Events
verwendet werden. Es sind immer bessere Informationen über die Zielgruppe
vorhanden, die für die Inszenierung von Community-Events genutzt werden
können, um die Ziele erlebbar zu machen und den Nerv der Menschen zu
treffen. Diese Informationen führen zu persönlicheren Beziehungen zu den
Kunden und ermöglichen Events, die neben der fachlichen
Interessengemeinschaft (Business-Community) auch die private
Interessengemeinschaft (Private-Community), die über ihre privaten
Interessen und Hobbys angesprochen wird. Schon heute ist oft bekannt,
welche Kunde oder Gast sich für Fußball, Golf, Fliegen oder Segeln
interessiert. Halt, diese Aussage ist falsch. Sie müsste heißen: Es sollte
bekannt sein. Fragen Sie mal ihre Vertriebsleute und Key-Accounts, ob sie
Ihnen die Hobbys und Interessen Ihrer 5 Top-Kunden nennen können. Deren
Friseur weiß es bestimmt.
Auf jeden Fall haben
Marketing-Events, oder wie auch immer die zielorientierten
Marketingveranstaltungen der Zukunft heißen mögen, einen festen Platz im
Marketing-Mix und ein erhebliches Wachstumspotential. Auch die müdesten
Marketingstrategen werden erkennen, dass der direkt Kontakt zum Kunde
durch keine andere Werbeform zu ersetzen ist, was besonders in Zeiten der
Reizüberflutung zutrifft. Nachdem über 98% aller Menschen die
Werbebotschaften in den Massenmedien gar nicht mehr wahrnehmen und fast
75% aller Menschen die Werbeaussagen als unwahr und übertrieben einstufen,
müssen Events, Messen, Promotions, Roadshows und andere Marketingaktionen
die Brücken bauen. Den „Eventagenturen“ wird dies gelingen, ob es dann
noch Events gibt oder nicht.
Die Veröffentlichung
des Beitrags erfolgt mit freundlicher Genehmigung von Dull
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