(Core competencies)
Der Begriff der Kernkompetenzen wurde wesentlich von Gary
Hamel und C.K. Prahalad in ihrem Buch "Competing for the future"
geprägt.
Kernkompetenzen sind die Grundlage der Wettbewerbsvorteile
eines Unternehmens. Sie differenzieren Unternehmen voneinander. Nach Hamel und
Prahalad können Kernkompetenzen in den Technologien, den Prozessen und/oder der strategischen Architektur eines
Unternehmens liegen. Dieses Modell basiert auf dem Gedanken, daß alle
Unternehmen verschiedene Muster und Kompetenzen habe. Einige davon sind
geeignet, die Unternehmung nachhaltig von Wettbewerbern abzugrenzen und ihr so
Wettbewerbsvorteile zu verschaffen.
Kernkompetenzen sind durch eine Reihe von Kriterien gekennzeichnet:
Sie müssen dem Kunden einen
bestimmten Wert oder Zusatznutzen verschaffen – und somit dem Unternehmen
Zugang zu wichtigen Märkten oder Segmenten ermöglichen.
Sie müssen für den Wettbewerb
schwer zu imitieren sein, da der Wettbewerbsvorteil sonst nur für einen begrenzten
Zeitraum bestünde.
Sie müssen selten sein – sonst
wären sie kein einzigartiger Vorteil des Unternehmens
Sie sind oft komplex, da sie
nicht durch einen einzigen Faktor, sondern eine bestimmte Kombination mehrerer
Faktoren begründet sind.
Insbesondere wenn sie in den
Lernprozessen und dem Wissen einer Organisation begründet sind, sind sie nicht
offensichtlich.
Gerade diese Verdecktheit ist oft ein wirksamer Schutz gegen
Nachahmung durch Wettbewerber. Allerdings ist sie auch der Grund warum sich
viele Unternehmen selbst nicht ihrer wirklichen Stärken bewußt sind. Wie viele
Kundenbefragungen haben schon ergeben, daß die Kunden an den Produkten und
Serviceleistungen von Unternehmen ganz andere Komponenten besonders schätzen,
als von der Geschäftsleitung und dem Marketing angenommen wurden.
Nimmt man alle diese Kriterien zusammen, wird kaum noch
ein Unternehmen eine echte Kernkompetenz haben. Das Problem besteht in der
zunehmenden Dynamik und dem Tempo der Veränderungen in der Unternehmensumwelt.
Ebenso wie die entscheidenden Erfolgsfaktoren können auch
die Kernkompetenzen branchen- oder unternehmensspezifisch sein. So wird sich
eine Supermarktkette durch Kompetenzen im Einkauf, der Logistik und Warenwirtschaft
Vorteile gegenüber kleinen Einzelhandelsgeschäften verschaffen. Im Wettbewerb
der Supermarktketten untereinander sind dagegen andere Kompetenzen, die zu
einer Differenzierung beitragen, erforderlich. Dies können Lieferservice,
Öffnungszeiten, persönlicher Service u.ä. sein.
Beispiele für Kernkompetenzen können sein:
Ruf / Marken
Unternehmensarchitektur
Strategische
Vermögensgegenstände (z.B. die Landerechte von British Airways, die der
Fluglinie die Bedienung der weltweit attraktivsten Routen ermöglichen)
Innovativität – die Fähigkeit,
sich selbst kontinuierlich neu zu erfinden.
Die Nachteile einer starken Konzentration auf
Kernkompetenzen können ebenfalls vielfältig sein. Es beginnt damit, daß viele
Unternehmen dazu neigen, weniger andere Kompetenzen als wichtig anzusehen, als
der Kunde das tut. Außerdem sind es i.d.R. nicht einzelne Fähigkeiten, die den
Markterfolg eines Unternehmens bestimmen, sondern ihre Bündelung in den
Unternehmensaktivitäten.
Die "Enthüllung" der Kernkompetenzen kann
anhand der folgenden Schritte durchgeführt werden (siehe auch Abbildung)
Identifikation der
Geschäftseinheiten oder –bereiche, die eindeutig erfolgreich sind
Identifikation der primären
Erfolgsgründe
Dies sind die Dinge die von den Kunden (ggf. auch den internen) besonders
geschätzt werden (z.B. guter Telefonservice, schnelle Lieferzeiten usw.). Dabei
ist es wichtig, sich auf diejenigen Faktoren zu konzentrieren, in denen das
Unternehmen eindeutig besser als der Wettbewerb abschneidet.
Aufschlüsseln jedes Primärfaktors
in Sekundärfaktoren
Hier ist z.B. zu klären, warum der Telefonservice besonders kompetent und
hilfreich ist, warum das Unternehmen so schnell liefern kann usw. Bereits auf
dieser Stufe erhält man i.d.R. eine Vielzahl von Erklärungen für den Erfolg.
Aufschlüsseln der Ursachen für
die sekundären Erfolgsfaktoren
In diesem Schritt muß man bereits in die operationale Ebene eindringen und
Gründe finden, die nicht sofort offensichtlich sind. Eine flexible
Routenplanung kann sich als Grund für die schnelle Auslieferung durch den
Fuhrpark erweisen.
Ermittlung von
Erklärungsmustern
Die vorhergehenden Schritte haben eine fast unüberschaubare Vielzahl an
Erklärungen und Kompetenzen geliefert. Es ist jedoch unwahrscheinlich, daß ein
Faktor allein die Quelle des Erfolges ist. Vielmehr wird diese in einer
bestimmten Kombination mehrerer Faktoren oder Prozesse liegen. Diese Muster
sind i.d.R. einzigartig für das Unternehmen und bilden die Kernkompetenzen.
Das nachfolgende Beispiel für diesen Prozeß ist G.
Johnson und K. Scholes "Exploring Corporate Strategy" entnommen. Es
handelt sich um einen Hersteller von Konsumgütern, der diese an Handelsketten
absetzt.
Zu beachten ist, daß die Aufschlüsselung in Sub-Faktoren
für alle ermittelten Erfolgsfaktoren vorgenommen werden muß. Das Beispiel zeigt
lediglich einen Ausschnitt.
Im Ergebnis der Analyse stellten sich u.a. folgende
Kompetenzen heraus:
Die gute Beziehung zwischen dem
Verkaufspersonal und den Kunden ermutigte diese, "das Unmögliche zu
erfragen", wenn Probleme auftraten.
Die Kombination aus guter
Logistik, Lagerhaltung und freien Kapazitäten ermöglichte kurzfristige Lieferungen.