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Arnie macht sich Gedanken zum virtuellen Arbeitsmarkt
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Arnie ist das Maskottchen von
themanagement.de - ein neugieriger und manchmal etwas vorlauter
Graupapagei. Deshalb macht er sich auch reichlich Gedanken zu dem,
was um ihn herum geschieht. An dieser Stelle bekommt Arnie Gelegenheit, seine Gedanken zum Zeit- und Wirtschaftsgeschehen und zu allem, was ihn sonst noch bewegt, kundzutun. Ein nicht ganz ernst gemeinter Blick auf die Welt aus Papageiensicht:
Mehr Gedanken von Arnie finden Sie hier
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Mann kann ja nie auslernen. Und als moderner Graupapagei muss man den neuen Medien natürlich auch aufgeschlossen sein. Mein Frauchen sagt ja immer, dass ich mir auch mal einen Job suchen könnte. Was soll ich da tun? Warten, bis vielleicht die Körner und meine Pellets rationiert werden? Da gibt es doch diese neue Seite vom Arbeitsamt „Arbeitsagentur“.
„Hoffentlich kann ich die bedienen“ denke ich mir, während ich zur Tastatur fliege. Soll ja einfach sein. "Alle Arbeitsmarktteilnehmer sollen künftig ein attraktives und einfach zu bedienendes Instrument für alle Belange des Arbeitsmarktes erhalten", sagt schließlich auch der BA-Vorstand Heinrich Alt über seine Webseite.
http://www.ftd.de/pw/de/1070094933749.html?nv=se
Da ich ja in Nürnberg mein Zimmer habe, suche ich in
Nürnberg; allzu weit will ich zur Arbeit nun doch nicht fliegen. Ich gebe in
die Suchmaske
https://www.arbeitsagentur.de/vam/vamController/SucheAS/leereSchnellsuche?typ=arbeitnehmer
daher die Suchbegriffe „Diplom-Kaufmann“ (ich weiß, ich übertreibe hier maßlos) und „90491“ ein und wähle im Pull-Down-Menü aus, dass ich eine Arbeitstelle suche.
Seite 1 liefert die folgenden Ergebnisse:
Sehr schön. Ab den höheren Seitenzahlen gehen dann die Trefferquoten nach unten:
Ein Stelle als Diplom-Kaufmann in Nürnberg entspricht als zu 79 % einer Stelle als Diplombetriebswirt in Leipzig. Und zu 83 % einer Stelle aus Diplom-Kaufmann in Neu-Ulm. Das lässt die Vermutung zu, dass u.a. die Entfernungskilometer wohl bei der Berechnung der Trefferquote entscheidend sind. Eigentlich sollte ich das mal verproben. Ich drehe die Suche mal um und versuche nun einen Job in 74078 Heilbronn zu erflattern. Meine Eingaben sehen daher wie folgt aus:
Eigentlich müsste die Webseite mir jetzt die schon bekannte Stelle (5. Eintrag der 10. Ergebnisseite) bei einem anonymen Arbeitgeber anzeigen. Eigentlich. Statt dessen bekomme ich zu meiner Überraschung diese Seite:
Wieso Stuttgart? Wieso Marburg? Und wo ist der Job aus Heilbronn, der von anonym kommt? Vielleicht ein „Zufallstreffer“ oder „Zufallsfehler“? Dies lässt sich nur durch einen weiteren Test überprüfen. Ich versuche, nun einmal den Job in Leipzig direkt zu finden (Suchergebnis auf Seite 10 zur ersten Abfrage). Seine Merkmale sind: Diplom-Betriebswirt, 04133 Leipzig.
Ich hoffe nun eigentlich auf einen Job der SAS Autosystemtechnik in Leipzig als Diplom-Betriebswirt. Den gibt es und er wurde mit 79 % Trefferquote für meine erste Such-Anfrage für Nürnberg aufgeführt. Statt dessen zeigt mir die Ergebnisseite die folgenden Stellen:
Berlin? Habe ich das was verpasst? Gehört Berlin zu Leipzig? Oder Leipzig zu Berlin? Seltsam, die Datenbank ist wohl nicht in der Lage, ihre eigenen Suchergebnisse zu wiederholen. Der Job, den ich suche, gibt es in Leipzig. Allerdings zeigt mir die Datenbank diesen nur über eine Suchanfrage in Nürnberg.
Auf Seite 3 wird es auch interessant:
Für meine Anfrage als Diplom-Betriebswirt in Leipzig bekomme ich nun auch Angebote als Diplom-Informatiker in Bochum (79%) und als Verkaufstrainer in Radeberg (79%). Das letzte passt geographisch irgendwie noch. Von den Tätigkeitsinhalte kann ich wohl nur wenig an Flugqualifikation mitbringen. Ursache für diese Ergebnisse ist, dass bei den einzelnen Angeboten in der Beschreibung als Qualifikation der Diplom-Betriebwirt hinterlegt ist. Allerdings machen die unterschiedlichen km-Entfernungen die Aussagekraft der Trefferquote (in beiden Fällen 79 %) nicht besser verständlich.
Vom Qualifikationsprofil ist das Ergebnis somit einwandfrei. Nur den Job in Leipzig finde ich nicht mehr. Zumindest nicht so.
Das ist alles schon mächtig beeindruckend. Nicht von Pappe sind auch die getätigten Investitionen: 15 Millionen Euro hat der Aufbau der Webseite bisher gekostet, insgesamt wurden 77 Millionen Euro für den Aufbau bereitgestellt.
http://www.presseportal.de/story.htx?nr=505430
http://www.ftd.de/tm/it/1070094938926.html?nv=se
http://www.spiegel.de/wirtschaft/0,1518,276314,00.html
Na gut, 200 Leute (150 davon von Accenture) kosten nun mal.: „Seit dem 1. April bis voraussichtlich Ende 2004 seien durchschnittlich 50 Bedienstete der Bundesanstalt sowie 150 Mitarbeiter des Generalunternehmens Accenture mit dem Aufbau des VAM beschäftigt.“
http://de.internet.com/?id=2025234§ion=Marketing-News
Um mal ein bisschen Gefühl für die Kalkulation der Kosten zu bekommen, muss ich mir die Pressemitteilung der BA und diese Relation auf dem Schnabel zergehen lassen: „Auf der Bewerberseite wurde aufgrund der hohen Kosten ( fünf Millionen Euro ) von einer Migration von rund 10.000 Bewerber-Datensätze für Minijobs und Praktika abgesehen.“
Wie bitte? Die Migration EINES Datensatzes kostet 500,00 EUR? Was passiert da? Ein Datenerfasser kostet ca. 20,00 EUR die Stunde, dass heißt er hätte 25 Stunden Zeit, den Datensatz zu migrieren.
http://www.presseportal.de/story.htx?nr=506172
Für das bisschen Futter (davon kann ein Graupapagei nur 12.500 Jahre leben) kann man natürlich nicht mehr erwarten. So ist es auch kein Wunder, dass andere Nutzer ebenfalls Probleme hatten.
http://www.spiegel.de/wirtschaft/0,1518,276622,00.html
http://www.tagesschau.de/aktuell/meldungen/0,1185,OID2740952_REF1,00.html
Nun ja, vielleicht ist das viele Futter ja in das aufregende Design geflossen vermute ich. Ein kurzer Blick in den BLOG von Dr. Web und ELFENGLEICH belehrt mich eines besseren. Das Design was es wohl dann auch nicht (unter Eintrag vom 10. Dezember):
http://www.ideenreich.com/weblog/index.shtml
http://www.elfengleich.de/index.php?log_id=493
Damit nicht genug. Da es sich bei dieser Webseite um das Angebot einer öffentlich-rechtlichen Anstalt handelt, könnte man, wie bei öffentlichen Gebäuden, einen barrierefreien Zugang erwarten. Barrierefrei würde hier bedeuten, dass die Webseite mit möglichst vielen Browser-Typen und ohne irgendwelche Plugins aufgerufen werden kann. Leider auch hier Fehlanzeige.
http://www.barrierekompass.de/weblog/index.php?itemid=53
Ach, hab ich ein Glück, dass ich ein Graupapagei bin. Da brauche ich die Datenbank ja nicht wirklich. Nur mancher versucht hier vielleicht ja wirklich sein Glück.
So ich flieg dann mal wieder eine Runde.
Euer Arnie